Kosenamen.

Neulich fuhr ich im Auto, und das mittlerweile 11 jährige Kind war auch an Board. Der Mann rief an und wir telefonierten eine Weile über die Freisprechanlage.
(selbstverständlich)
Wenn ich über die Freisprechanlage telefoniere, dann leuchtet ein großes Foto vom Mann und mir auf, wie wir beide in die Kamera lächeln und glücklich sind, und daneben steht statt `der Mann` nur `Schatzi`.
Der 11 Jährige fragte verwundert: heißt ihr den beide Schatzi?
Ich runzelte kurz die Stirn und bejahte. Ja, wir sind beide Schatzi„.
In seinen Augen schienen wir komisch zu sein. Sind wir das wirklich?
Manchmal ist der Schatzi„ auch der `Schatz`, oder der `Schatzmann , manchmal auch `Doofi`, dann bin ich `Blödi`. Oder umgekehrt, da sind wir so flexibel wie einfallslos.
Mit Kosenamen ist es seltsam. Ich habe mir immer einen tollen gewünscht, aber mein Name gibt nur bedingt Kosenamen her.
Meine Lieblingstante nannte mich `Motte`, meine russische Freundin lässt die letzten 2 Buchstaben weg und macht ein `I` hintendran- russisch halt, die verniedlichen alles.

Unsere Nachbarn haben Spitznamen für den Mann und mich. Darauf hört sogar ihr Hund, der dann sofort an den Zaun rennt und denkt er kriegt ein Leckerchen. Allerdings klingen wir wie ein Pornopärchen. Irgendwann haben wir auch US- Schirmmützen bekommen, mit den Pornopärchennamen eingestickt. Gegenseitig nennen die sich auch mit Verniedlichungen ihrer Namen, oder er ist einfach nur DER Doof, je nach Verhalten!
Der Mann vor dem Mann, nannte mich Maus, so nannte er auch unseren Hund, die Frau vor mir, den Hund davor, und auch die Frau nach mir. Beim neuen Hund bin ich mir nicht sicher. Gut, er hat wahrscheinlich gedacht, dass er damit eine Art Sicherheit geschaffen hat und keine Gefahr droht, irgendwen mit dem falschen Namen anzureden. Einfallslos.
Da lob ich mir mehr Kreativität. Ernsthaft? Nein. Ich erinnere noch wie ich in einem Drogeriemarkt nach Wimperntusche schaute, vielleicht 19 oder 20 Jahre alt, und mein damaliger Freund quer durch den Laden brüllte: Hasi,….schau doch mal….
`Hasi` war ich, allerdings wünschte ich mir in dem Moment unsichtbar zu sein.
Weil das an Demütigung dem Schicksal offenbar nicht reichte, kam es noch dicker: Schnuppi, schau doch mal…
Umstehende Damen schauten, wer denn wohl `Schnuppi` sein könnte,… da war ich aber schon aus dem Laden geflohen und wartete draußen.
Was sollen Kosenamen aussagen? Warum uns gegenseitig mit Tiernamen betiteln.
Wer will schon Bärchen sein? So heißt der Teddy, den ich mit 5 hatte, aber so kann doch niemand einen erwachsenen Mann nennen( es sei denn, er ist von oben bis unten behaart und fett wie ein Bärchen- ach nee… auch dann nicht) Will man Prinzessin genannt werden? Wozu? Man ist doch eine, und es geht da auch eher ums Behandeln, als ums Benennen.

Ist das ein Ausdruck von Vertrauen oder von Nähe, wenn man den anderen so besonders und ganz außergewöhnlich benennt?

Wir hier, der Schatz und ich, bleiben bei Schatzi- beide- und freuen uns darüber, dass wir uns einig sind.

Ihr Fräulein Lindemann.

 

Unsichtbar.

Es ist manchmal wie verhext. Gegenstände bekommen Beine, Zettelchen verschwinden, manchmal sogar Gedanken- weg, einfach weg.
So wie heute, als der Mann und ich uns für ein Fußballspiel mit Schal und Sweatshirt präparieren wollten. Mein Lieblingsshirt (für Mädchen, in Grau mit pinkfarbenem Schriftzug, obwohl die Vereinsfarbe rot ist) und mein super kuscheliger Vereinsschal, beste Qualität, und nicht dieser Mitgliederschal, mit eingesticktem Namen, beides war einfach nicht auffindbar.
Weg. Einfach weg.
Ich bin sicher, dass auch hier, wie bei allen Dingen, die von Natur aus keine gewachsenen Beine haben, jemand nachgeholfen hat. Natürlich kann sich nie jemand daran erinnern, sich etwas geliehen zu haben, oder etwas umgeräumt oder zum Hauptwohnsitz mitgenommen zu haben.
Der Mann kann es noch immer nicht glauben, und sucht nach wie vor alle Schränke und Schubladen ab, die ich zuvor schon mindestens 2-3 Mal inspiziert habe.
Nur so zur Sicherheit. (Ich könne ja was übersehen haben)
Ich weiß nicht, was mich wahnsinniger mach, der fehlende Pulli und der Schal, oder die nun überall offenstehenden Schubladen und Schränke, quasi ein Indiz für die wiederholte Suche.
Er jedoch ist nicht mutlos und versucht mich damit aufzumuntern, dass die Sachen immer irgendwann wieder auftauchen. (bei wem auch immer)
Nur, ich brauche sie ja jetzt! Wie kann denn unser absteigender Verein ohne mich in meiner Verkleidung gewinnen?

Meine Freundin aus München hat kürzlich einen Ring verlegt, dann hieß es: verloren. Der war auch… weg! Sie war sehr traurig, ich auch, denn er war ein Geschenk von mir, um ihrem Ringfinger über den Verlust des Eherings hinweg zu helfen, der nun in der Schublade liegt, da der dazu gehörende Ehe-Mann nicht mehr aktuell ist.
Vor ein paar Tagen bekam ich ein Foto mit dem Ring an ihrem Finger.
Er ist wieder da.
Darauf hoffe ich auch bei einem sehr teuren Armband, das mir der Mann zu Weihnachten schenkte, und das ich sehr, sehr gern habe. (oder heißt es hatte?)
Als ich vor letztes Jahr in Chicago war, habe ich es irgendwo in meinem Koffer versteckt. Ich bin immer noch sicher, dass es in einem Schuh war, in den ich das Armband legte, damit das Zimmermädchen es nicht findet und klaut.
Jetzt findet es leider niemand mehr. Ich habe alle Schuhe der Welt hier im Haus auf den Kopf gestellt. Nicht nur bildlich gesprochen.
Mein Lederarmband ist verschwunden. Vom Erdboden verschluckt.
Wie kann das sein, und was muss passieren, damit die Dinge wieder auftauchen?

Unser Fußballspiel habe ich mit dem Sweatshirt des Mannes besucht, und einen alten Vereinsschal mitgenommen. Das mit dem Sweatshirt war eine gute Idee, denn mir ist der gesamte Senf meiner Stadionwurst rausgetropft, und das Shirt ist jetzt gelb. (Gut, meine Hose und meine Jacke auch.)

Unser Verein hat gewonnen. Tatsächlich 5:2, und das nach 10 verlorenen Spielen. Ich habe ein neues Sitzkissen, damit ich keinen kalten Hintern auf den Plastikstühlen bekomme, vielleicht war das ja der Glücksbringer, und ich kann auf das Prinzessinnenshirt und meinen Superschal verzichten, und die Mannschaft auch.

Ich bin sicher, irgendwann beim Aufräumen taucht alles wieder auf, und ich habe Menschen in meiner Umgebung zu Unrecht verdächtigt.

Vielleicht ist es auch Zeit für Neues und das ist das sichere Zeichen dafür.

Vielleicht finde ich auch meine Handtasche beim nächsten Mal nicht, oder mein Auto- und dann muss auch ein Neues her.
Ist doch logisch, oder?

Ich suche jetzt mal den Mann, und hoffe er muss nicht auch ersetzt werden, und werde mit ihm ein Bier trinken, denn im Stadion war der Alkohol im Bier quasi auch unsichtbar und weg…

Ihr Fräulein Lindemann

 

Japan.(Teil 2)

Guten Tag, oder besser ‚konnichi wa‘, das und einige andere Worte übernahmen der Mann und ich in kürzester Zeit . Irgendwo hatte der Mann gelesen, dass man immer und ständig ‚hai‘ sagt, das japanische ‚ok‘.
Ich tat mich damit etwas schwer, denn ich kam mir mit meiner Verständigungsoption- kleinste Teile Englisch und viel „Hände und Füße „, schon recht schwer, da noch in kurzen Abständen ein “ hai“ mit einzubinden, überforderte mich, und ich lehnte das auch irgendwie ab.
Der Mann nicht.
Er animierte mich weiterhin, auch mit seltsamen Erklärungen wie – die fühlen sich dann sicher…
Nun gut, ich pfiff auf Sicherheit.

Mein erster Besuch einer japanischen Toilette beeindruckt mich hingegen noch immer nachhaltig. Die Toilette sah aus wie eine Mischung aus Behinderten-WC und einem futuristischen Multifunktionsgerät auf irgendeiner Raumstation.
Ich setze mich auf die frisch gereinigte Brille und… Überraschung…sie war warm. Es gab echt angewärmte Toilettensitze!
Daneben war eine Bandbreite von Knöpfen und Schaltern für Spülungen aus allen Richtungen, mit allen Stärkegraden, es gab Toilettenspülungsimmitations-Geräusche auf Knopfdruck, falls man mal einen Hintergrundsound benötigt, wenn es mal andere Geräusche gibt. Die gibt es natürlich nicht bei uns Frauen- wir können keine Geräusche und keine Gerüche. Für letzteres war auch vorgesorgt, mit einer Sprühfunktion.

Fahren Sie oft mit dem Zug? Ich manchmal. Und nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Warum?
Er ist überfüllt, laut, unpünktlich und man muss achtgeben, dass man nicht einschläft und beklaut wird, oder gar seine Station verpasst.
In Japan ist das anders. Hier beträgt die durchschnittliche Verspätung 24 Sekunden. Bei uns spricht man überhaupt erst bei 24 Minuten von Verspätung.
Um dem Mann seinen Kindheitstraum zu erfüllen, und weil ich gerade “ lost in translation “ zum wiederholten Male gesehen hatte, entschieden wir uns für eine Fahrt nach Tokyo. Mit dem Shinkansen.
Nachdem wir die raren Schilder in Englisch gedeutet hatten, standen wir mit unseren Fahrkarten auf dem richtigen Gleis.
Wir waren stolz und aufgeregt. Noch aufgeregter wurden wir allerdings, als wir an den verschiedenen Anzeigetafeln die Hinweise sahen, sich doch bitte mit dem Wetterforcast auseinander zu setzen, denn es raste gerade ein Taifun auf die japanischen Inseln zu.
Gut, auch wir hatten bemerkt, dass es etwas mehr regnete, es sich auch etwas abgekühlt hatte, und es wurde auch ein wenig windiger.
Egal. Wir wollten nach Tokyo, und so ein Taifun sollte uns nicht aufhalten.
Auf der Fahrt schauten wir in verregnete Regionen mit grauem, dunklen Himmel. Der Mann checkte im Internet und wir sahen Schlagzeilen wie: Taifun ‚Lan‘ wird Städte und Gegenden verwüsten, erwartete Schäden liegen bei geschätzten xy Milliarden. (Nun muss man sagen, dass wir hier von Yen Milliarden sprechen.)
Lan hielt uns nicht auf, und wir hatten einen Schirm.
Das ist sehr wichtig in Japan. Niemand geht ohne. Niemand fährt ohne, auch kein Fahrrad. Und sollte es einmal nicht regnen, gibt es auch einen Haken, an den der Schirm gehängt werden kann. Solche Haken gibt es auch neben den Toiletten und den Waschbecken. Hotels und Museen haben ganze Schliessanlagen, nur für Schirme.
Schirme sind auch gerne durchsichtig. Wir haben uns gefragt wozu.
Eine Antwort war, damit man noch etwas von der Stadt sieht. Ich vermute ja, damit man weiß ob es noch regnet, denn mit Hunderten von Schirmen, die die Straßen plakatieren ( so sieht es aus, wenn man von oben drauf schaut), fühlt es sich an , als wäre die ganze Stadt überdacht.

Der Mann und ich trinken gerne mal ein Glas Wein, oder auch ein Bier. In Japan trinkt man auch gern, vor allem: viel und schnell. Um 18.00 Uhr trifft man sich und muss sich um 20.00 gegenseitig beim Verlassen des Lokals stützen. So wird es auch auf Veranstaltungen gehandhabt. Wir waren zu einem Galadinner eingeladen. Ein Mitarbeiter des Veranstalters sollte eine Abschlussrede halten. Tat er auch, allerdings war er schwierig zu verstehen. Er räumte auch irgendwann ein, nachdem er für einen Satz mehrere Anläufe benötigte, dass er betrunken sei. Man half ihm von der Bühne und klopfte ihm anerkennend auf sie Schulter. Bei uns undenkbar.
Andere Kultur, andere Sitten. Aber was nehme ich mit?
Ich versuche freundlicher mit meiner Umwelt umzugehen, großzügiger und respektvoller zu sein und mich manchmal mehr um andere zu kümmern.

Und ich muss mehr Fisch essen, ich habe nur zierliche, schlanke Frauen gesehen…

Ihr Fräulein Lindemann

Nachtrag für B.
Die nicht endende Höflichkeit, den Respekt und die Umsicht mit denen Japaner den Umgang mit- und untereinander pflegen, hatte ich ja schon erwähnt.
Dieser Umgang ist selbstverständlich und muss auf gar keinen Fall extra honoriert werden.
Trinkgeld gibt es in Japan nicht. Sollte man es einmal, wie bei uns durchaus üblich, beim Verlassen eines Restaurants auf dem Tisch liegen lassen, wird es einem hinterhergetragen, da man denkt, es handelte sich um ein Versehen.
Am Flughafen, als der Mann und ich von einem Fahrer abgeholt wurden, trug der auch Sorge für uns. Wir durften unser Gepäck nicht mal mehr ansehen (von Berühren gar nicht zu sprechen), es wurden Türen aufgehalten und eine im weißen Handschuh steckende Hand sorget dafür, dass der obere Türenbereich abgedeckt wurde, so dass ich, auch wenn ich mir größte Mühe gegeben hätte, mir auf keinen Fall den Kopf an der Tür hätte stoßen können.

Da so ein Taxifahrer auf den vollen und recht autoreichen Straßen nicht immer aussteigen kann, um dann um sein Auto zu rasen und Türen aufzuhalten, aber sichergehen möchte, dass kein Fahrgast die Tür selbst öffnet, und das wohlmöglich auch noch auf der falschen Seite (die nicht sichere, die zum restlichen Verkehr hin), ist es verboten, den Türgriff selbst zu betätigen. Das steht in allen Sprachen auf einem Schild, dass über oder auf dem Türöffner angebracht ist. (ich weiß nicht wie es bei einem Notfall/Unfall gehandhabt wird…)
Der Taxifahrer hat einen Riegel vorne, der, wenn er ihn betätigt, die hintere linke Fahrgasttür automatisch mit einem Ruck öffnet(Linksverkehr)
Als Fußgänger, neben anhaltenden Taxen hat man jedoch eine wichtige Aufgabe: Abstand halten von Taxitüren.
Macht man das nicht, wird man wie ich, von einer dieser aufspringenden Türen getroffen, was es für den Taxifahrer dreifach schlimm macht:
fehlende Rücksicht, westliche Frau und….schimpfende westliche Frau auf Deutsch…

 

Japan (Teil 1)

Warum heisst Japan eigentlich ‚Land des Lächelns‘?
Ganz einfach, hier wird immer freundlich gelächelt und niemals das Gesicht verzogen.
Schon angefangen bei der Einreise. Bisher war mir die ‚Immigration‘ nur aus den USA bekannt. Dort ist einreisen anstrengend. Man wird wie eine Herde wilder Schafe durch die Flure und Gänge getrieben. Es ist laut, und eigentlich benehmen sich alle auch ganz wild.
Es wird gerempelt, überholt, gedrängelt und in die Hacken getreten.
Dann wird unterteilt in ‚citizens‘ und ‚alle anderen‘.
So wird man auch behandelt, denn ‚alle anderen‘ sind eher 2. Wahl. Zwischenzeitlich wird man von mürrischem Personal (gehören eigentlich auch der ‚alle anderen‘- Gruppe an) in englisch ähnlicher Sprache angeschrien. Bei Nachfragen gibt es den gleichen unverstehbaren Text nochmal , allerdings mit bösem Gesicht und richtungsweisendem Fingerzeig.

Hier in Japan, im Land des Lächelns, ist alles ganz anders. Der Geräuschpegel liegt bei null, alle gehen friedlich neben und hintereinander her, und an jedem Abzweig, an dem sich verlaufen werden könnte, steht ein freundlicher Angestellter und zeigt sofort die richtige Richtung an, damit man erst gar nicht fragen muss, oder sich wohlmöglich verirrt.
Niemand schreit, ich bin nicht einmal sicher, ob Japanische Stimmen lautes Schreien oder Brüllen fertig brächten.
Mit 120% er Höflichkeit wird man durch den Einreisebereich geleitet und fühlt sich willkommen.

Als der Mann und ich jüngst nach Japan reisten, wussten wir, wir werden interessantem Essen begegnen. Der Mann war schon einmal vor 8 Jahren in Kyoto und konnte von Minikaulquappen als Morgenshot berichten, und von anderem ungewöhnlichem „Essen“.
Ich war schon einmal in China, und dort wird wirklich alles verspeist, was nicht bei drei abgehauen ist.
Was wir nicht wussten war, dass unser Essensexperiment bereits auf dem Hinflug mit der Lufthansa beginnen sollte. Der Mann und ich öffneten unsere Frühstücksüberraschung und schlossen sie auch direkt wieder.
Das habe ich in all den Jahren noch nicht beobachten können. Der Mann isst normalerweise alles. Ohne Übertreibung: wirklich alles. Was die LH jedoch da für uns unter der Aluminiumfolie versteckt hatte, das ging gar nicht, selbst für den unerschrockenen Mann.
Mein Magen begann zu rebellieren als ich vorsichtig mit der Gabel darin stocherte und versehentlich einatmete.
Rührei, in Teilen angesengt , in Teilen weich, fermentierter flüssiger Cheddar obendrauf, Wedges (die Kartoffelbrei werden wollten) und eine Form von Fleischstücken, die allerdings in der Karte nicht weiter beschreiben wurden und es unklar war, welche Bedeutung sie hatten. Alles roch bedenklich, wäre aber laut Aufdruck noch 1,5 Jahre haltbar gewesen.

Als wir nach über 11 Stunden Flug endlich landeten, mussten wir etwas länger auf unser Gepäck warten , und das gab uns Zeit zu beobachten, und unseren erworbenen Kenntnisstand aus dem Japanführer und dem ‚Fettnäpfchen- Regelwerk‘ mit der uns dargebotenen Realität abzugleichen.
Erste Auffälligkeit: es wird sich immer und ständig verbeugt. Zusätzlich schaut man sich nicht in die Augen, und angefasst wird auch niemand. Das fängt schon damit an, dass niemand einander die Hand gibt.
Viele Japaner reisen immer mit Mundschutz. Nun gut, ohne ärztliches Attest seit dem 1. Oktober sicher nicht mehr in Österreich, aber woanders ist es ja auch schön.
Ich hab mich immer gefragt warum, und dachte, die haben eine Macke, eine Keimphobie oder einen Tick, und Panik, sich irgendwo mit irgendetwas anzustecken.
Falsch.
Hier geht es darum, mit seinen eigenen Bazillen und Erregern sorgsam umzugehen, und die nicht rücksichtslos in die Welt zu husten, und es geht darum andere zu schützen.
In Nagoya angekommen, machten wir uns auf in die Stadt, wir wollten Japan entdecken, zumindest mal einen kleinen Teil, genauer, einen Ort an dem wir etwas essen konnten, denn wir waren wirklich hungrig.(Bei dem Frühstück)
Wir fanden eine kleine Sportsbar, mit Bildern auf der Karte für das erleichternde Bestellen, aber keinem einzigen Fernseher, auf dem man sportliche Aktivitäten wie Sumo, Judo oder Karate hätte schauen können. Oder Fußball. Das einzig sportliche hier war, viel zu trinken und dabei nicht vom Bänkchen zu kippen. Das jedoch können die Japaner gut.
Das konnten der Mann und ich aber ebenfalls, und weil wir den Hals selten voll genug bekommen, landeten wir im Anschluss daran mit Martini, Cosmopolitan und einer Montechristo no.2 in unserer wunderschönen Hotelbar namens ‚Rosen‘.
Selbstverständlich nur, um dem Jetleg nicht mitten in der Nacht die Chance zu geben uns aufzuwecken und nicht wieder einschlafen zu lassen. Quasi eine Jetlegprophylaxe.
Wir hatten ein Doppelzimmer, allerdings mit 2 seperaten 1.2 m Betten, getrennt durch einen festinstalierten Nachttisch, der ein Zusammenschieben schier unmöglich machte.
Ich bin sicher, wenn es Synchronschlafen als olympische Disziplin gäbe, wären der Mann und ich unschlagbare Titelverteidiger.
Das absolut spannendste an unserem Zimmer war jedoch unser Badezimmer, und die dort zu findenden Superfunktionen….

Mehr Einzelheiten über Toilettenbesonderheiten, angriffslustige Taxitüren, japanisches Frühstück und unseren Ausflug nach Tokyo finden Sie gerne in: Japan (Teil 2).

Bis dahin…sayonara.

Fläulein Lindemann

 

Herbstblues.

Neben unserem Haus ist ein riesen großes Maisfeld. Seit dem Frühjahr wiegt es mich in Sicherheit.
In Sicherheit, wovor?
Dem Winter, und ein wenig auch dem Spätherbst.
Ich liebe es, dem Mais beim Wachsen zuzusehen. Auch schon bevor er existiert, dann, wenn der Bauer das Feld bestellt, säht, Gülle fährt (hier hält sich meine Liebe in Grenzen), ich liebe es, wenn ich sehe wie der Zyklus der Natur seinen Lauf nimmt.
Vor 3 Wochen bin ich von einer Reise zurückgekommen und schaue irgendwann versonnen aus dem Fenster. Es war ein wunderschöner Morgen, etwas Morgentau, noch nicht ganz hell, eine tolle Stimmung, die Sonne zwischen den Bäumen durch blinzelnd und….
Nichts.
Gähnende Leere dort, wo doch eben noch MEIN Maisfeld stand.
Er wurde geerntet und wird vermutlich gerade von irgendeiner doofen Kuh in Form von Futtermais fröhlich verspeist.
Ich bin enttäuscht und ein wenig traurig.
Der Sommer, oder auch der Spätsommer sind vorbei. Nicht, dass ich das nicht schon an der früheren abendlichen Dunkelheit bemerkt hätte, oder daran, dass das Sitzen auf der Terrasse einen kalten Hintern verursacht und sogenannte Übergangsjacken die Sommerjäckchen ersetzen.

Übergangsjacken- blöder Ausdruck, aber doch so treffend. Wir gehen über zum Winter. Ich bin drastisch veranlagt, denn es ist ja gerade erst einmal Oktober, aber jetzt geht alles ganz schnell.

Im Supermarkt sind schon längst Spekulatius, Dominosteine und Co. zu finden. Mein Kalender erinnert mich daran, meine Reifen zu tauschen; ich mache im Auto abends schon mal die Sitzheizung an, Socken werden angezogen, die Heizung im Bad muss morgens wenigstens ein wenig heizen, das Laub vor dem Haus und im Garten macht mich irre (wir haben keinen einzigen eigenen Baum, sind aber von Fremdbäumen umstellt, die NUR und ausschließlich ihre Blätter auf unser Grundstück fallen lassen!)
und… mein Mais ist weg.
Das Jahr ist schon fast vorbei. Ein weiteres. Es war wieder einmal hektisch, stressig, kleine und große Hürden mussten genommen werden. Es gab Streit, Freunde haben sich getrennt, neue zueinander gefunden…
STOP.
Was fällt mir ein, kaum ist der Mais weg, findet sich der Blues ein. Ein Jahresresümee wird erst im Dezember gezogen!
Aber was ist so toll am Herbst und am Winter?
Die Zeit der Wärmflaschen und der 1000 Dinge, die übereinander gezogen werden, um zu überleben, beginnt nun.
Der Bewegungsradius wird viel kleiner, da Terrasse und Garten entfallen. Mein Abspeckplan wird durch Sofakuscheln, Rouladen, Eintopf, Rotwein, Gänse mit Kloß und Rotkohl oder Ragouts blockiert, und der Regen macht depressiv.
Da, schon wieder: Blues.
Oder? Sofakuscheln, Rotwein? Klingt doch gar nicht so schlecht. Sollte ich den nun folgenden Jahreszeiten doch etwas abgewinnen.
Spaziergänge in frischer klarer Luft? Ans Meer fahren und das raue Wetter und die tollen Farben dort genießen?
Habe ich genügend Winterschuhe und eine gute Winterjacke? Muss ich wohlmöglich shoppen gehen? Sind Netflix Abende oder Wochenenden mit dem Mann zusammen nicht großartig, und kann ein Abspeckplan nicht auch flexibel nach hinten verschoben werden?

Ich werde mir jetzt ein Maisfeldbild auf meinem Rechner als Hintergrundbild hochladen, dann kann ich von Zeit zu Zeit drauf schauen (das beruhigt), und ich werde anfangen, unseren Rotweinvorrat zu überprüfen.
Nur so zur Sicherheit…

Ihr Fräulein Lindemann

 

Drama.

Können Sie sich noch an die erste Staffel von „Germany´s next Topmodel“ erinnern? Als jeder noch geschaut hat, ohne sich als Idiot oder als Teenager zu outen, oder als Jemand, der ein gespaltenes Verhältnis zum Essen und zum Frauenbild im Allgemeinen hat?
Damals saß noch ein gewisser Bruce Darnell in der Jury. Danach wurde er in andere Formate, nicht weniger trashig, weitergereicht, und er hat es trotz- oder gerade wegen seines schlechten Deutschs in die deutsche TV-Landschaft geschafft und…überlebt. Aber worauf ich eigentlich hinweisen möchte, und dies wird keine Diskussion über die sprachlichen Vorbildfunktionen von Silvie Meiss und Co. (…bin ich doch mit Rudi Carrell aufgewachsen) nein, es ist der Satz, der ihn für mich geprägt hat:
Drama Baby, mehr Drama!
Das hat bisher kein Mann gesagt, schon gar zu mir und nicht in einem so positiven Kontext.
Mehr Drama? Das muss man uns Frauen eigentlich nicht zwei Mal sagen. Also mir nicht. Ich kann unglaublich gut ohne Drama, aber hin und wieder benötige auch ich, und da habe ich nicht immer Einfluss drauf (der arme Mann), ganz, ganz viel davon.
Let´s drama!
Es überwältigt mich einfach, und ich habe das Gefühlt nicht mehr in Balance zu sein, bis … nun ja, bis ich etwas auf dramatische Weise beende, kommentiere oder auch Leuten vor den Kopf stoße. Ich kann auch anders, ziehe mich zurück und bin ganz ruhig.
Wann aber entscheide ich mich für welchen Weg? Da schaue ich nur passiv und von außen zu und kann es nicht beantworten. Liegt es an der Wichtigkeit, an der Höhe des Nerv Niveaus? An meiner Konstitution? Oder an dem unbändigen Wunsch einfach drauf zu hauen und etwas, d.h. eine Situation, oder eine Reanimation im Vorfeld auszuschließen und für unmöglich zu erklären.
Manchmal bin ich hitzig.
Ich hatte vor vielen Jahren einen Freund in Österreich. An irgendeiner Stelle waren wir an sehr unterschiedlichen Punkten, sprachen unterschiedliche Sprachen (… auch im bildlichen Sinne) und betrachteten auch unsere Beziehungszukunft von sehr unterschiedlichen Perspektiven.
Irgendwann hat der arme Mann mich so genervt, ( hier rede ich von einem langen Prozess, der irgendwann seinen Tribut forderte) und ich weiß nicht, ob es final damit zu tun hatte, dass er sich eine Knoblauchsuppe im Restaurant bestellte, (und ich mir dachte, eine Knoblauchsuppe zu essen ist im Hinblick auf ein gemeinsames Wochenende, das durch unsere räumliche Distanz schon eher seltener Natur war, ein echtes “No go“) oder an der nächtlichen Streiterei wegen seiner immer wiederkehrenden Eifersuchtsattacken.
Es kam wie es kommen musste, und er stellte leider irgendwann die Frage:
was willst du eigentlich?
Eine gute Frage, die, wenn man sie ehrlich beantwortet (kann und möchte), durchaus Leben in die Bude bringen kann.
Ich dachte kurz, aber sorgfältig nach und hörte mich sagen:
Nach Hause.
Gesagt getan. Ich stand auf, ließ ihn sprachlos mit seiner Suppe zurück, ging ins Hotel und schaute nach Flügen. Als er nachkam, war meine Tasche gepackt, und ich sah nur noch in zwei ungläubige Augen, die bis dahin dachten, ein wenig Drama gehöre zu uns Frauen und man könne uns leicht besänftigen. Wie der Zufall es manchmal so will (oder das Schicksal) stand ein Taxi vor der Tür, und ich war 15 Minuten später mit einem neuen Ticket in der Hand am Flughafen.

Ich weiß bis heute nicht, wie er es geschafft hat, durch die Sicherheitskontrolle zu kommen- ohne Ticket- aber dort stand er, immer noch ungläubig und erklärte mir, das seine Frage nicht unbedingt dieses Ausmaß an Reaktion erwartet hätte. Ich war froh dass er nicht zum Drama neigte, und wir uns somit eine Szene ersparen konnten, aber vielleicht war das immer noch der Schock unter dem er stand.
Ich saß endlich im Flieger, von Minute zu Minute wurde mir leichter ums Herz- es ging nach Hause, alleine.
War das nötig? Wahrscheinlich nicht.
Hat er mir verzeihen? Ja, hat er.
Fühlt es sich gut an, manchmal etwas loszulassen und zwar so unwiederbringlich, dass es keinen Grund gibt, zurück zu schauen?
Ganz sicher.

Ich überlege gerade, wie ich aus einer Gruppen- App aussteigen soll, die mich mit Kindergartenliedchen, animierten Filmchen, langweiligen Kommentaren und mindestens 2 mal die Woche mit Geburtstagsglückwünschen für Gruppenteilnehmer nervt.

Soll ich es still und leise machen, oder doch mit Drama und Getöse?

Ich bin ja für Tor 2.

Fräulein Lindemann

 

Oktober.

Hier in Köln nennen wir „es“ die fünfte Jahreszeit. Oder wir nennen „es“ Karneval.
In Bayern, speziell in München, wird diese Zeit „Oktoberfest“ genannt.
Was denken Sie, ist der gravierendste Unterschied?
Die Jahreszeit. Genau.
Denn im Gegensatz zum Karneval, friert man sich beim Oktoberfest, was interessanterweise größtenteils im September stattfindet, nicht seinen Hintern ab.

Aber es gibt auch einen zweiten Unterschied.
Das Motto.
Wo im Rheinland das Motto in kleinen oder auch mittleren Gruppen festgelegt und besprochen wird, hat man in München nur ein Motto, und das heißt: Traditionelle Kleidung- Dirndl und Lederhosen, und ganz viel Bier.

Aber woher kommt diese Tradition eigentlich? Ich dachte immer, dass Trachten aus uralten Überlieferungen von vor über 300-400 Jahren kommen, man an der edlen Spitze die Herkunft, und an den Farben den Landkreis, erkennen kann. Aber, falsch gedacht!
Es gibt das Dirndl erst seit nun mehr 150 Jahren, also ist es mit der langen Tradition nicht sehr weit her.
In diesem Jahr hatte ich erstmalig das Vergnügen, dem Oktoberfest live und in Farbe beizuwohnen, kann nun auch aus erster Hand sagen, das Tradition in Zusammenhang mit Dirndl und Equipment ein wirklich sehr dehnbarer Begriff ist, und dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt werden,… leider auch nicht dem guten Geschmack.
Meine Freundin aus München lud zum Geburtstag feiern ein, und so fingen 4 Ladies in München, Wiesbaden, wieder Wiesbaden, und in Köln an, sich vorzubereiten. ( 2 weitere Ladies kamen ebenfalls aus München, und dort öffnet man nur seinen Kleiderschrank, entscheidet sich für eines der vielen, und man sieht einfach wundervoll aus)

Meine Vorbereitungen für dieses Fest liefen ähnlich ab, wie meine Karnevalsvorbereitungen.

Welches Kostüm? Welche Schuhe? Welches Zubehör und die 1 Mio € Frage: was geschieht bloß mit den Haaren?

Die Sache mit den Haaren wurde zentral von unserer Freundin gelöst, und wir 4 hatten für unseren Ausgehtag einen gemeinsamen Friseurbesuch gebucht. (bekommen)
Unser Perfektionismus sollte vollends befriedigt werden, denn auch wenn ich nur 1/3 von dem verstehe was dort unten gesprochen wird, wollte ich dennoch 100%ig so aussehen, als könnte ich es wie eine Einheimische.

Ab Mitte September drehen ja alle mit diesem Oktoberfest durch; plötzlich gibt es bei Lidl, Aldi, Edeka, Metro & co alles an Kleidung und Lebensmitteln, was das bayerische Herz begehrt- oder jemals begehren könnte.
Selbst in einer nahegelegenen Brauerei, die sich auf Pils und Kellerbier (und 1.000 verschiedene Softgetränke) spezialisiert hat, hängen plötzlich weißblaue Fähnchen und Wimpel, und zum trüben Pils gibt es Brezeln und Leberkäs´. Überall der bayerische Wahnsinn.

Plötzlich fangen auch Menschen, die wie ich eigentlich hochdeutsch sprechen, an, ihre Sprache zu verändern, und zwar in etwas von dem sie meinen es sei Bayerisch, der Mann hingegen muss nur müde schmunzelt und sagt- so ein Schmarren… (er darf das, er ist gebürtiger Münchner) Und ich höre nicht mal den Unterschied zwischen bayerisch und österreichisch- sorry… (der Mann übt noch mit mir)

Wir Damen sahen selbstverständlich fantastisch aus. Die Brüste hochgeschnallt bis unters Kinn, ein Dekolleté zum Niederknien, alle im ganz zauberhaften Dirndl mit tollen Farben, und auf unseren Köpfen trugen wir Frisürchen, die ich nie, niemals, auch nur annähernd an einem fremden Kopf hinbekommen hätte, ganz zu schweigen an meinem eigenen. (der Rekord bei Haarnadeln lag bei 31)

Durch verschiedene großartige Umstände hatten wir einen eigenen Tisch im Augustiner.
Bis dato konnte ich diesem Glücksfall seine unglaubliche Bedeutung gar nicht zuordnen, musste dann jedoch feststellen, sollte ich je wieder einmal dieses Fest besuchen-definitiv niemals ohne vor reservierten Tisch.

Aus Köln kommend und kleine Biergläser gewohnt, war ich im ersten Moment mit 1l Krügen, die auch meine zweite Hand zum Trinken benötigten, etwas überfordert, aber wenn das Bier erst einmal läuft, dann läuft es … auch aus dem 2. und im 3. Maßkrug, und wenn man dazu viel Kartoffelsalat und ½ Hähnchen isst, schafft man es auch alleine, ohne fremde Hilfe, wieder heraus aus dem Zelt.

Ich werde in den nächsten 12 Monaten etwas üben und freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr.

Ihr Fräulein Lindemann

 

Dänen.

Man kann viel über Dänen sagen.
Zum Beispiele essen die Dänen gerne rote Hotdogs. Aber ehrlich gesagt, frage ich mich immer, wo gehen die Leute in den Pölser-Buden (Pölser= rote Dänische Wurst) hin, wenn sie mal müssen? Diese Frage ist bisher niemals eingehend und abschließend beantwortet worden. Hinzu kommt, dass vor 12 Jahren mal eine Reportage im Umlauf war, die beschrieb, dass an roten Dänischen Hotdogs, Spuren von Urin gefunden wurden.
Heißt das nun, das die Würstchenbudenmitarbeiter in ihre Würstcheneimer pinkeln, oder war es ein Messfehler, oder nur eine aufbauschend, reißerische und selbstverständlich falsche Reportage?
Das bleibt wohl unbeantwortet.
Aber weiter mit den Dänen. Wenn die Dänen essen, tun sie das durchaus sehr eigenwillig. Zumindest manche. Der Amerikaner im Allgemeinen lässt ja seinen linken Arm gerne vollkommen unter den Tisch fallen, wenn er sich wie ein 5-Jähriger zuvor sein Steak in mundgerechte Stücke geschnitten hat. Etwas, was der Mann und ich versuchen, dem 10- jährigen an unserem Esstisch, mühevoll abzugewöhnen.
Der Däne legt seinen Arm ganz bequem vor den Teller und umfasst die Gabel nicht wie einen Füller, sondern eher wie ein Stück Wachsmalkreide von ober her an.
Interessant wird es, wenn der Däne etwas zwischen den Zahnzwischenräumen hat. Ich meine Essensreste. Bei uns zu Hause ging man ins Bad und putzte seine Zähne. Unterwegs besuchte man die Toilette und entfernte halt irgendwie das störende Übel. Meine Mutter wäre im Dreieck gesprungen, hätte sie mich mit dem Finger im Mund erwischt.
In Dänemark nutzt man die auf jedem Tisch stehenden Zahnstocher. Zahnstocher, die in Italien beispielsweise nur zum Aufpieken der Oliven, oder des Zusammenhaltens der kleinen Leckereien verwendet werden. Der Däne benutzt, wenn der Zahnstocher nicht schnell genug zur Hand ist, auch seine Finger. Dänen sind flexibel. Wird besichtigt, was man gefunden hat? Ja, gerne. Wird es danach weiter verspeist? Selbstverständlich, warum auch nicht?
Mein empfindlicher Magen beginnt in solchen Momenten an zu brodeln, allerdings muss ich auch gestehen, dass obwohl ich über die Beschaffenheit meines Magens weiß, hinschauen muss. Unentwegt!
Dänen haben einen festgelegten Stundenlohn für jeden. Und der liegt so weit höher, dass man die Person, die das verdient, in Deutschland schon als Großverdiener bezeichnen würde. Niemand würde in Dänemark auf die Idee kommen, für 8 Euro die Stunde zu arbeiten. Bei 5,80 € würden sie schallend lachen, weil sie denken würden, man mache einen Witz.
Der Däne hat das schönste Design in Europa. Ja, die Italiener sind auch nicht schlecht und in Deutschland gab es auch ganz großartige Designer. Ich jedoch liebe die Dänische Architektur, die Möbel, das Glasdesign und die Mode.
Es gibt Unisex-Toiletten in Dänemark. Eine für alle. Ist das schlimm? Ich denke nicht. Vor vielen Jahren in einer Kneipe jobbend, und am Abend auch für die Abschlussreinigung der Toiletten zuständig (inklusive des Entfernens der letzten Koksreste auf den Keramikablagen unter den Spiegeln), kann ich bestätigen, dass Damentoiletten in einem viel, viel schlimmeren Zustand sind, als die Herrenklos.
Aber es ist trotzdem überraschend, wenn man gerade seinen Lippenstift nachzieht, dabei komische Mundgrimassen macht, und ein gutaussehender Typ den Toilettenvorraum betritt.
Dänen regen sich nicht über jeden Mist auf. Sie gehen pünktlich zum Mittagessen, und sie machen auch pünktlich Feierabend.
Sie sind tiefenentspannt, auch in heiklen Situationen. Als ich mal mit einem vollen Cocktailglas in einem Dänischen Club mit einer Frau zusammenstieß, sie mit meinem Mojito duschte und dachte, ich würde nun gesteinigt, hat sie auf meine 100 Entschuldigungen nur milde gelächelt und „ok“ gesagt, um dann weiter zu gehen, und sich die Minze und den Zucker aus den Klamotten zu waschen.
Die gleiche Situation irgendwo anders auf der Welt? Hamburg, München, Berlin? Riesiges Gezeter, Gemotze und Geschrei.
Was können wir von den Dänen lernen: Niemals unter Wert verkaufen, es gibt noch etwas anderes im Leben als den Job, Mittag zu essen ist wichtig und sich aufzuregen lohnt sich nur manchmal. Wenn was stört, muss es weg, sofort.

Ich trinke jetzt ein Carlsberg (trinken können die Dänen nämlich auch sehr gut) und sage „Skol“!

Ihr Fräulein Lindemann

 

Spielzeug.

Als Mädchen liebt man Puppen. Puppen in allen Größen und Varianten. Ich liebte Playmobilpüppchen, Babypuppen, die weinen konnten und Geschwister Ersatz- Puppen, also riesengroße Puppen. Die hatte ich auch, die war nur einen halben Kopf kleiner als ich. (an dieser Stelle kann ich leider den Ursprungsnamen meiner Lieblingspuppe nicht nennen, das wäre politisch inkorrekt- also nenne ich sie mal maximalpigmentierte Susanne)
Ich war nicht mit Susannes Afro einverstanden, also kürzte ich. Damit war meine Mutter nicht einverstanden, denn a) stand Susanne der Lockenkopf sehr gut, und b) konnte man nun auf ihre Plastik-Kopfhaut sehen, denn die Haare waren immer in kleinen Grüppchen mit ½ cm Abständen zueinander implantiert worden.
Susanne trug dann eine Mütze.
Irgendwann kamen die Barbies dazu. Erst Familie Sonnenschein, mit komischen Gelenken, die irgendwann auch ausleierten, und dann die Heartfamily und andere tolle Barbies. Nicht so wie heute, die damaligen Barbies hatten sicher auch schon keine realistischen Frauen-Proportionen. (Beine, 3 Mal so lang wie Kopf und Oberkörper, Unterarme und Oberarme in der selben Dicke, Oberschenkel, die mal welche werden könnten, wenn sie groß sind), aber auf jeden Fall sah der Kopf normal aus und das ganze Puppenkonstrukt nicht wie ein Lolli. Heute haben die niedlichen Püppchen eine riesige Omme und ein Stäbchen als Rest des Körpers.
Mein jüngerer Bruder hatte Matchbox-Autos und Lego. Gut bei Lego hatte man auch kleine Püppchen, aber irgendwie reichte das nicht. Irgendwann wurde es besser, als er sich für „the Master oft the Universe“ Figürchen entschied, da konnte man wenigstens etwas die Beine bewegen und damit spielen. Besser dran war ich mit meinem Cousin. Der hatte Big Jim, und mit dem konnten meine Teenager Barbies (Skipper- ähnliche Größe) hervorragend spielen und mit Big Jims Hubschrauber und Wohnmobil auf Reisen gehen.
Barbie-Zubehör war immer in Pink, Rosa und aus Plastik. Barbies Haus, die Möbel, ihre Kleider, Schuhe und Haarspangen.
Meine Barbies waren da etwas robuster angezogen. Da meinen Eltern das Barbie-Equipment zu kostspielig war, fing meine Großmutter an, mir Kens Hosen und Barbies Röcke zu nähen, und sie hat Ken Norweger-Pullover gestrickt. Ebenfalls waren meine Barbies mit Strickjacken und Schals ausgestattet.
Ich bastelte mir kleine Badewannen aus Schmelzkäseverpackungen (die mit Kräutern und den grünen Karos drauf) und Sofas aus Gästehandtüchern.
Mir fehlten Tisch und Stühle.
Ich sprach mit meinem Vater und er hatte die Lösung.
2 Wochen später hatte ich einen runden Esstisch für meine Barbies und 4 Stühle mit Rückenlehne. Alles aus Eisen. Mein Vater hatte alles für mich geschweißt und mit Containerfarben lackiert.
Er grinste mich an und sagte, hier bricht nichts ab (niemals), die halten bis in alle Ewigkeit.
Ich konnte mich auf meinen Esstisch stellen- er hielt. Ich hätte eine Party darauf feiern können, oder mit ihm hätte ich auch ganze Häuser einwerfen und zerstören können.
Oder ein Bagger hätte darüberfahren können, meinem Tisch hätte das nichts gemacht. Gar nichts.

Ich mag Norwegerpullis nicht sonderlich. Allgemein mag ich selbstgestricktes nicht, vielleicht habe ich ein kleines Trauma.

Dafür mag ich robuste Möbel, und wenn ich mich hier zuhause umschaue, mag ich immer noch Möbel aus Stahl und Alluminium.
Sehr sogar.
Allerdings niemals in grün und rot.

Ihr Fräulein Lindemann

 

Transportsicherung

Vor gut mehr 15 Jahren bin ich in Berlin umgezogen. Von einer gemeinsamen Wohnung in eine Single-Wohnung.
Wie das so mit neuen Wohnungen und verlassenen Wohnungen ist, irgendetwas bleibt und damit fehlt auch immer irgendetwas.
Mir fehlte eine Waschmaschine. Eine Waschmaschine ist in der Regel ja eine längerfristige Anschaffung für hoffentlich 10 Jahre und mehr, somit ( und ich wasche wirklich sehr gerne und viel) wollte ich mich für ein Markenprodukt entscheiden. Leider ließ mein Budget kein MIELE-Produkt zu, jedoch war zum damaligen Zeitpunkt eine SIEMENS Waschmaschine die nächst beste Kategorie.
Kurz und gut. Ich rief den Verkäufer meines Vertrauens an, ließ mich telefonisch beraten (Mitarbeiter von Siemens- günstige Konditionen). So tat ich es im Übrigen auch mit Waschmaschine, Wasserkocher und Toaster. (Mein Vater hatte sogar einen SIEMENS Fernseher!)
Irgendwann kam die Frage, ob ich denn die gelieferte Waschmaschine selbstständig anschließen könnte. Natürlich, das ist ja wohl gar kein Problem. Ich besorgte im Vorfeld kleine Schellen um auch auf der ganz sicheren bzw. trockenen Seite zu sein.
Irgendwann kam das gute Stück an und wurde mit zwei kräftigen Männern in mein neues Badezimmer geschleppt. Karton und Umverpackung weg , die Jungs auch und meine „neue Freundin“ und ich unter uns.
Gesagt getan, Schlauch her, dran geschraubt, mit den Schellen festgemacht, Wasserwaage geholt, Finger geklemmt (beim Drehen der Füßchen) und fertig war ich.
Erst einmal.
So dachte ich.
Das war ja kein Hexenwerk.
Ich belud die Maschine und freudig startete ich meinen ersten Waschvorgang. Alles machte einen guten Eindruck und ich verließ das Bad.
Einige Stunden später hörte ich ein ohrenbetäubendes Scheppern aus dem Bad. Der Schleudervorgang war mit 3.000 Dezibel definitiv zu laut.
Ich las nach, in der Gebrauchsanweisung. Normalerweise finde ich die überflüssig. Dinge müssen sich selbst erklären, und es ist viel zu viel Aufwand und meistens ist man kein Bisschen schlauer als vorher.
Ich rief bei meinem Siemensvertreter des Vertrauens an. Ganz klar, mein Problem war die falsch ausgerichteten Füßchen, trotz der Wasserwaage, die zu 96% der Meinung war, alles ist kerzengerade.
Ok, ich versuchte mein Glück, startete den Schleudervorgang, und der Lärm wiederholte sich. Dieses Schauspiel wiederholte sich einige Male, bis ich mir sicher war, dass es nichts geraderes, oder ausgerichtetes auf dieser Welt gab.
Okay…, neuer Versuch. Alles klang vielversprechend. Eigentlich klang gar nichts, aber das war ja das Vielversprechende.
Ich ging zurück in das Wohnzimmer, und ein neuer Waschvorgang startete parallel.
Irgendwie muss ich auf dem Sofa eingenickt sein, denn es schepperte wieder, und ich stürzte auf um nachzusehen. Ich hatte doch alles austangiert. Ich wollte das Bad betreten, aber leider ging das nicht.
Die Unwucht, durch das stärkere Schleudern noch verstärkt, hatte die Wachmaschine auf Wanderschaft geschickt und zwar in den Raum hinein, vor die sich nach innen öffnende Badezimmertür.
Meine Waschmaschine versperrte mir den Weg hinein, aber die wichtigste Frage stand noch im Raum: wie lang ist so ein Schlauch eigentlich und wie gut halten meine Schellen?
In manchen Situationen wächst man kräftemäßig über sich hinaus, und so mutierte ich zu Arnold Schwarzeneggers kleiner Schwester und schob, mit meinem ganzen Gewicht gegen die Tür gedrückt, diese endlich auf und meinen Weg frei.
Das war auch der genau richtige Moment, denn es war der Moment, in dem der sich Schlauch und Hahn trennten und sich der Boden in einen Teich verwandelte.
Dieser Vorgang veranlasste mich nun meinen SIEMENS Vertreter erneut anzurufen und von ihm die Schlüsselfrage gestellt zu bekommen.
Du hast doch die Transportsicherung gelöst, oder?
Kurze Stille. Natürlich! Erwiderte ich, nicht im geringsten wissend, wozu so eine Sicherung da ist, oder wo sie sich befindet.
Er sprach weiter, als hätte ich nichts gesagt. DAS ist ganz wichtig, Du machst dir sonst die Trommel kaputt, die kannst du ganz leicht auf der Rückseite abschrauben, das ist ein Metallriegel, der die Trommel hält.
Ja, ja, murmelte ich, ich weiß.
Ich probiere es noch mal mit der Wasserwaage! Damit beendete ich das Gespräch.
Ich ging über meinen mit Handtüchern ausgelegtes Badezimmerfußboden und schaute nach.
Ahnen sie was kommt? Natürlich war dort ein Riegel angeschraubt, und natürlich stand dieser Teil auch in der Gebrauchsanweisung, in der Abteilung: Was Sie vor der ersten Benutzung beachten müssen.
Die Trommel hat es überlebt und die Maschine bis vor 2 Monaten hervorragend gewaschen.
Für die Zukunft investiere ich 30,- für den perfekten Anschluss, und die etwas lauteren Schleudergeräusche der neuen MIELE kommen ganz sicher von keinem Riegel auf der Rückseite, das habe ich schon überprüft.

Etwas Nervenkitzel muss schon bleiben….

Ihr Fräulein Lindemann