Phantasialand.

Als ich ein Kind war, poppten überall neue Freizeit- und Vergnügungsparks aus dem Boden. Fort Fun im Sauerland, der Safaripark Stukenbrock, der Heidepark, Europapark oder auch der Hansapark, mit vielen Fahrgeschäften, oder halt auch mit wilden Tieren.

Irgendwann, als ich etwa 7 oder 8 Jahre alt war, bin ich mit meinem Vater, seinem Freund Wolle und seiner Tochter Melanie in den Safaripark nach Stukenbrock gefahren.
Ich erinnere noch, als wir durch das Löwenfreigehege fuhren. Alle Knöpfe der Türen im Kinderbereich waren heruntergedrückt (damit von außen kein Tiger oder Löwe hereinkommen konnte?). Knöpfe zum Runterdrücken kennt heute niemand mehr, im Zeitalter der Zentralverriegelung sind die schon lange nicht mehr existent.
Ich war so voller Ehrfurcht, dass ich noch genau weiß, dass ich auf der Rückbank in Richtung Innenraum rutschte, zwar super neugierig, die Raubtiere so nah wie möglich zu sehen, allerdings mit großer Sorge, die Autotür könne aus irgendeinem Grund aufspringen, ich rausfallen und zum Katzenfrühstück auserkoren werden.
Ich habe überlebt, genau wie das Fahren der Achterbahnen, der Piratenschiffe, die über Kopf gehen, und der anderen Gruseligkeiten.
So ein Freizeitpark kostete immer ein mittleres Vermögen, und ich weiß seit gestern sehr genau, dass sich das nicht verändert hat.
Wir waren gestern zu viert mit einer Freundin und ihren beiden Kids im Phantasialand. Alleine der Eintritt hat insgesamt für uns alle zusammen 320,-€ gekostet!
Da hatte aber noch niemand irgendetwas getrunken, gegessen oder die Trocknungsmaschine für die Wasserrutsche ( 2,-€) benutzt, oder etwas Süßes gegessen.

So ein Ausflug ist ganz schön kostspielig. Mit seinen Eintrittskarten kann man zwar an einen Serviceschalter gehen und freie Eintrittskarten für einen zweiten Besuch im selber Jahr erlangen, und somit könnte man theoretisch sagen, der Preis halbiert sich. Allerdings ist die Frage jedoch, möchte man diesen Park zwei Mal im Jahr besuchen? Und falls nicht, könnte der Preis nicht gleich günstiger sein? Und heißt das jetzt auch, dass der Park eigentlich das meiste Geld mit dem Essen und mit den Getränken verdient?

Es gibt Themenpark-Vorbereitungen, die der Mann und ich noch lernen müssen. Im Gegensatz zu unserer Freundin, hatten wir weder Kappis, Regenschirme, Getränke, belegte Brote oder Ersatzschals dabei. Bei einer 85% Regenwahrscheinlichkeit wäre ein wenig Nachdenken und Vorbereitung unsererseits sicher nicht schlecht gewesen.
Der Mann bekam den Schirm, und alle anderen waren mit Kapuzen oder mit Mützen versorgt.
Wissen Sie, wie viele Loopings es bedarf, um ein gerade gegessenes Crêpe wieder nach oben zu befördern?
Fast hätte ich es rausgefunden, als ich in einer dieser verrückten neuen Bahnen saß, die mir mein Hirn mit 200 km/h Beschleunigung an die hintere Schädelwand drückte, und die mit dem heftigen Rauf und rasanten Runter meinen Magen bis aufs äußerste reizte.
Danach hatten fast alle Gruppenmitglieder Kopfschmerzen (zumindest die Erwachsenen) oder das Gefühl eines leichten Schleudertraumas.
Egal, wir hatten Eintritt bezahlt, und jetzt wurde gefahren. Trotz Regens und Kälte nahmen wir mit, was geboten wurde und stiegen tapfer in die verschiedenen Fahrgeschäfte rein.
Irgendwann mussten wir uns aufwärmen und entschieden uns für ein 4D Kino.
Der Mann schlief ein, die Kids hatten Spass und die Freundin und ich fanden den Abschluss des Films, als wir Wasser durch kleine Düsen um Vordersitz ins Gesicht gesprüht bekamen, total ekelig. Der Mann ist dadurch wieder aufgewacht, fand es nicht ekelig und schlug vor einen zweiten Film zu schauen.
Wir gingen.
Nach fast 7 Std. Aufenthalt entschieden wir uns, müde, frierend und etwas durchnässt, den Ausflug zu beenden.
Alle waren glücklich und zufrieden, und die Kids schliefen schon auf der Rückfahrt im Auto mit einem zufriedenen Lächeln ein.
Wer kann sich solche Ausflüge leisten, die ein Vermögen kosten und das Budget einer normalen Familie vermutlich deutlich übersteigen.
Der Park war trotz des Wetters gut besucht, und die Menschen haben gegessen, getrunken, liefen mit Merchandising-Produkten herum, und es machte nicht den Anschein, dass jemand sich irgendwie mit dem Kaufen zurückhielt.
Wir sahen coole Teenagergruppen, Heavymetal-Pärchen, Großfamilien; alle hatten eines gemeinsam: uns wieder wie Kinder zu fühlen und die Freude an Karussells.

Heute Morgen bin ich aufgewacht und konnte mich vor Schmerzen nicht recht bewegen. Mein Nacken und mein Schulterbereich scheinen nicht für moderne Fahrgeschäfte ausgelegt zu sein, meine Schienbeine auch nicht.

Ich freue mich schon auf den nächsten Ausflug und fange schon mal an zu sparen.

Ihr Fräulein Lindemann

 

Gekommen um zu bleiben.

Warum finden Begegnungen statt und was macht sie so besonders?

Ich meine, warum trifft man Menschen, einige treten immer wieder neu in unser Leben, mal mit kleinen Unterbrechungen, mit Pausen. Und warum trifft man andere, die direkt und konstant im Leben bleiben, oder wiederum andere trifft man, geht eine Zeitlang einen bestimmten Weg miteinander, um sich dann wieder zu trennen, ohne Aussicht auf ein wiederholtes Kreuzen des Weges.
Manchmal weiß man das sofort, und manchmal erst viel später.
Begegnungen sind magisch.
Man sieht Menschen, redet vielleicht nur kurz miteinander, und dann entscheidet man sich für sie, oder halt auch nicht. Ich rede hier nicht von Liebesbeziehungen, obwohl das natürlich auch auf eine Art eine Liebesbeziehung ist, ich rede von Freundschaften, Beziehungen ohne Sex. Man sieht Menschen, und sucht sie ganz bewusst aus, oder man wird von ihnen ausgesucht.

Das habe ich mit einigen Freundinnen so gemacht. Ich habe sie gesehen (bei Wohnungsbesichtigungen, mit Leergut im Regen vor der Haustür, im Treppenhaus oder beim Einzug) und irgendetwas hat meine Aufmerksamkeit geweckt, wie ein Loch im Strumpf, sichtbare Zerbrechlichkeit, Chanel Rouge Noir oder eine Jeans-Latzhose, und dann war es um mich geschehen.
Einige Freundinnen haben sich über Umwege eingeschummelt, und bei wiederum anderen ist es mir niemals in den Sinn gekommen, bis sie plötzlich mit ihrer ganzen Präsenz und einer großen Wucht in meinem Leben standen.
Wenn ich jemanden ausgesucht habe, ist es nicht immer ganz einfach, und es hat hier und da auch etwas Überzeugungskraft gekostet, da man, wenn man sich plötzlich an Menschen hängt (nein, kein stalken) auf der anderen Seite für Unsicherheit sorgt und für Befremdlichkeit im ersten Moment.
Manchmal müssen wir uns trotz des Aussuchens, oder des Ausgesuchtwerdens wieder trennen. Vielleicht, weil es nicht passt, und die Begegnung nur für einen kurzen Zeitraum ausgelegt war, oder weil sich eine Seite anders benommen hat als erwartet, und man die Beziehung neu definieren muss mit Hilfe des vorhandenen Pakets, das Verzeihen oder aber auch Neuanfang beinhaltet.
Manchmal ist das Paket aber auch einfach nur schon leer, dann muss man sich trennen.

Die erste Begegnung mit dem Mann war leider nicht so magisch, und das kann ich ganz genau sagen, denn ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Jetzt könnte man streiten, und sagen, wenn ich mich doch immer noch so gut erinnere, hatte es wohl doch seinen Zauber.

Nein, nicht für mich.

Kurzer Rückblick: wir trafen uns vor vielen Jahren (mittlerweile 12) bei einem Workshop, den er aktiv mit gestaltete, ich war kein aktiver Teilnehmer, eher ein Beobachter, und ich konnte so recht nichts mit ihm anfangen. Sagen wir mal so, uns hat es beide nicht umgehauen, als wir einander das erste Mal sahen. Ich nahm kaum Notiz von ihm, und fand ihn eher etwas distanziert und humorlos, und er fand mich einfach nur doof und arrogant.
Sagt er.
Wir haben nicht einmal mit einander gesprochen, daher weiß ich gar nicht so recht, wie er seine Annahme begründen möchte. Meine Meinung jedoch kam aus Beobachtungen, und kann selbstverständlich als korrekt und fundiert stehen gelassen werden.
Interessanter Weise hat er mich an diesem Tag fotografiert, bei unserer allerersten Begegnung.
Warum? Das frage ich mich und ihn auch. Vielleicht war er so sehr von meiner Arroganz beindruckt. Oder vielleicht war es doch noch etwas anderes. Er streitet alles andere selbstverständlich ab und schiebt es auf den Zufall.
Wir wissen aber doch alle ganz genau: es gibt gar keine Zufälle.
Wie es das Schicksal dann weiter bestimmte, trafen wir uns in jährlichen und monatlichen Abständen wieder, da sich unsere beruflichen Wege immer mal wieder kreuzten. Irgendwann konnten wir uns nicht mehr wehren, und es hat uns beide erwischt.
Nicht zeitgleich.
Amors Pfeil traf uns zeitversetzt mit 2 Jahren Unterschied, hielt aber solange an, dass wir irgendwann die gleiche rosa Brille zur selben Zeit trugen, und uns Herzchen aus den Ohren stiegen (übrigens immer noch).
Schaue ich zurück, weiß ich, der Mann ist gekommen, um zu bleiben, das kann ich allerdings nicht für jede Begegnung der Vergangenheit sagen, und das ist gut so, sonst wäre kein Platz für Neues und die Beständigkeit in meinem Leben würde an Wert verlieren.

Ich liebe meinen Mann, und ich liebe meine Freundinnen.

Ihr Fräulein Lindemann

PS …und die Mutti.

 

JB.

Letztens saßen der Mann und ich auf dem Sofa und entschieden uns, einen Film zu schauen, aber so recht lief nichts von Interesse im sonntäglichen Abendprogramm. Der Mann meinte, er würde so gerne mal wieder einen „James Bond“ schauen. Was denn mit mir wäre?

Ehrlich gesagt, bin ich ein James Bond Fan, schon immer gewesen, auch wenn sich meine Meinung über den besten Bonddarsteller über die Jahre hinweg verändert hat.
An diesem Abend war ich aber eigentlich nicht so recht in Action- Stimmung, dachte aber, dass nach diversen Mädchenfilmen in den letzten Wochen, es schon fair wäre auch mal einen Jungsfilm zu schauen.

Wir haben alle (echt) Bondfilme auf DVD (damals gab es noch kein Blu-ray) und somit holte der Mann eine Wagenladung Filme zur Auswahl heran. Ich entschied mich für zwei, aus denen der Mann wiederum einen Film aussuchen durfte. Gerecht, oder?
Jeder James Bond lebt von seinem Darsteller, und…? Natürlich, vom Bondgirl!

Ich ging nach dem Ausschussverfahren vor und entschied mich gegen den sexistischen Komiker Roger Moore und gegen die 60er und 80er Jahre, ich wollte Motorrad- Action, und ich wollte etwas Sophie.
Es standen „die Welt ist nicht genug“ und „der Morgen stirbt nie“ zur Auswahl. Der Mann wollte viel Sophie und keine Motorad-Action, somit stand das Abendprogram fest.

Wer ist Ihr liebster James?

Sean Connery ist natürlich außer Konkurrenz, keine Frage, der Ur-James quasi, der Frauenheld, Flachleger (darf man das sagen?), der Erfinder der ersten, akzeptierten, sogar bewunderten, gesellschaftsfähigen Polygamie.

Hier muss ich allerdings erwähnen, für mich persönlich finde ich Schwärmereien für ihn mittlerweile recht schwierig, also eigentlich unmöglich, denn als Mann von mittlerweile 87 Jahren, hat er für sein Alter sicher noch ein recht souveränes Auftreten, aber für mich schon sehr, sehr lange kein Sexappeal mehr.
Ich bin nicht mal sicher, ob er und ich jemals gleichzeitig in einem Alter waren, in dem wir realistisch zusammen gepasst hätten. (selbstverständlich, wenn es jemals dazu gekommen wäre, dass er mich kennengelernt hätte, wäre er mir verfallen, aber ich hätte einfach ablehnen müssen). Meine Zielgruppe ist doch etwas jünger. Ich bin sicher, die meiner Mutter auch.
Als ich das erste Mal von Daniel Craig als neuen Bond hörte, dachte ich: jetzt ist es vorbei mit meiner James Bond-Liebe.
Sean ja, Pierce selbstverständlich immer (früher hab´ ich so gerne Remington Steele geschaut), George auch, wenn auch nur als Eintagsfliege, aber Daniel? So eine Brutalo- Visage mit aufgepumptem Körper? Nee…! Oder?
Manchmal muss man auch Entscheidungen ändern, …anpassen.
Der Grund meiner Anpassung liegt zu 100% an der Szene in „Casino Royal“, in der Daniel Craig mit seinen sexy Badeshorts und diesem unglaublich trainierten Oberkörper aus dem Meer entsteigt!
OMG.
In diesem Moment habe ich alle Männer verstanden, die die gleiche Szene mit Ursula und Halle eine der einschneidendsten in ihrem Leben bezeichnen.
Wer aber ist das coolste Bondgirl?
Ich sage mit Absicht nicht das schönste, jüngste, das mit den längsten Beinen oder knappsten Kleidern.

Für mich ist es M in Skyfall.

Allen gängigen Erwartungen eines Bondgirls zum Trotz, übernimmt sie die weibliche Hauptrolle und stiehlt allen die Show. Leider ist es ihre letzte.
Außerdem finde ich den Namen M, auch wenn keiner so recht weiß wofür er steht (Nachname? Vorname? Lieblingsdesigner? Zigarettenmarke?), immer noch besser als Vesper, Pussy, Kissy, Strawberry oder May Day.

Für den Mann ist Eva die coolste (er meint damit aber die schönste).

James Bond ist dann also im 21. Jahrhundert angekommen, mit seinen Personen, aber auch mit den Dialogen, der Sicht auf die Menschen.
Können wir etwas lernen? Da sollte man nicht zu viel erwarten. Gelegentlich ist pure Unterhaltung auch schon mehr als man bei so manch anderen Filmen erwarten kann.

Es ist wieder Wochenende, vielleicht entschleunigen und unterhalten wir uns mit einem der anderen 23 Filmen.

Mein Name ist Lindemann, Fräulein Lindemann.

PS Entschuldigung für die Verspätung.

 

Wiederholung.

Ich wiederhole mich.
Tut es mir leid? Nicht wirklich, denn ich denke, dass es ein Thema ist, das immer wiederholt werden muss.
Was ist nur los mit uns Frauen, und was ist los mit dieser, unsren Welt und unserem Verständnis für einander?
Da klagt eine Oma, weil auf den Überweisungsträgern „Kunde“ steht und nicht „Kundin“? Ernsthaft?
Haben unsere Gerichte nicht genügend wichtigere Dinge zu tun?
Sind das die Probleme, um die wir uns kreisen? Was ist mit Erderwärmung? Der Gefahr aus Russland, USA und der Türkei, … und vielleicht auch Nordkorea. Heute habe ich etwas über die Eisschmelze gelesen, und die Gefahr, dass 120 Millionen Tonnen Quecksilber freigesetzt werden könnten. Quecksilber ist übrigens ungesund. Das ist untertrieben. Quecksilber ist tödlich.
Müssen wir uns als Frauen über Feinheiten der deutschen Sprache aufregen. Es gibt jetzt im Familienministerium eine Abteilung für Gleichstellung. Es gibt auch eine für Ossis. Heißt das jetzt, Frauen und Ossis brauchen besondere Aufmerksamkeit, und brauchen weibliche Ossis doppelte Unterstützung.
Jetzt wird auch noch an der Nationalhymne herumgedoktert.
Ernsthaft? Was interessiert mich denn, ob es brüderlich heißt, oder nicht? Fühle ich mich ausgeschlossen, nein! Ich habe genug Selbstwertgefühl mich auch hier angesprochen zu fühlen, denn es geht um die Sache, nicht um den Penis. Schon lange nicht um Eier, denn wir alle wissen, dass Eier keine Frage des Geschlechts sind.
In Schweden darf man nur noch Sex miteinander haben, wenn dieses vorher schriftlich bestätigt und beide Parteien einvernehmlich zugesagt haben, mit Unterschrift.
Arme Generation.
Bin ich froh, dass meine Zeit anders war. Nicht so wie in den 60ern und auch nicht wie in den 70ern wo jeder mit jedem, … in einer Kommune (oder auch sonst wo), …drunter und drüber…Sie wissen schon.
Heute darf ein Mann nicht mal mehr nett sein, lächeln, die Tür aufhalten. Schwedinnen sind entrüstet, wenn ein Mann beim Date ihr Essen bezahlt. Ich nicht. Ich wäre beim Date entrüstet, wenn er es nicht täte.
Dann gibt es wieder die übergriffigen Männer, die, die Frauen antatschen, oder schlimmeres, weil sie in einer anderen Kultur großgeworden sind, und unsere Regeln nicht kennen (oder kennen lernen wollen) und nicht verstehen, eine modische Kleidung nicht unbedingt einer Einladung gleichkommt.
Wo ist das Mittelmaß, das Normale. Es gibt viele Bereiche in denen Überdurchschnittlich gut ist (Sex, Humor und Wein), oder auch unterdurchschnittlich einfach mies ist (Sex, Humor und Wein). Mittelmaß ist Mittelmaß, und damit mag man sich gar nicht anfreunden, aber warum eigentlich nicht? Warum brauchen wir immer Extreme? Weil wir es übertreiben und abdriften, den Bereich ausreizen müssen, ab ins Unerträgliche, mit allen Konsequenzen.
Jetzt müssen wir mit diesen Konsequenzen leben, immer und überall, an ganz überraschenden Momenten und manchmal nutzlos. Wo ist unser Selbstverständnis für das Durchschnittliche. Möchte ich noch mal jung ein, 20 Jahre jünger? (dann wäre ich 9 oder so…)
Nein, auf keinen Fall! Wo bliebe der Spaß? Der Spaß beim Trampen, beim Nacktschwimmen und beim Experimentieren? Beim Vorurteilabbauen.
Eines Nachts ist mein Auto auf der Autobahn liegen geblieben, mit Mühe und Not bin ich die nächste Ausfahrt runtergefahren. Zu der Nichthandyzeit war natürlich niemand erreichbar, es war auch schon 1 Uhr nachts, also entschied ich mich zu trampen.
Der erste Mensch, der mich mitnahm, war ein Mann und kam aus Nigeria, er fuhr in einem roten Sportwagen, sprach schlecht Deutsch, aber nahm mich mit. Er konnte mich nicht zu meinem Endziel bringen, wollte mir aber Busgeld geben, da ich ja noch weitermusste. Er bat mich, auf keinen Fall wieder zu trampen. Ich nahm kein Busgeld an, es fuhr auch kein Bus mehr und nach 24.00 gab es kein Geld am EC Automat, also trampte ich, mein Glück herausfordernd, weiter.

Ein klappriges Irgendwas hielt an, es war wohl ein Auto, und ich stieg ein.
Anschnallen ging nicht, der Gurt war kaputt, aber der freundliche polnische Mann erklärte mir, dass er vorsichtig fahren würde. Tat er, ermahnte mich, zukünftig nicht wieder zu trampen und wartete, bis ich tatsächlich auch an der Haustür, an der ich klingelte, hereingelassen wurde. Nur so zur Sicherheit.

Wann in den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Welt so verändert?

Und welchen Beitrag haben wir geleistet? Noch viel wichtiger- was können wir tun um es wieder erträglich zu machen?

Ihr Fräulein Lindemann.

 

Olympia.

Nun sind sie vorbei, die 23. 0lympischen Winterspiele in Korea- in Suedkorea selbstverständlich.
Ein Land, das wie vor 29 Jahren Deutschland auch, geteilt ist. Hier in Nord und Süd, und nicht wie bei uns in Ost und West.
Was haben Sie von Olympia mitbekommen?

Zu meiner Schande ist alles, außer der großartigen Eishockeyergebnisse und der atemberaubenden Eiskunstlaufkür, an mir vorbei gerauscht und hat sich jeglichem Fokus entzogen.
Früher war das anders. Olympia war grandios, niemand kam daran vorbei, und auch die olympischen Teilnehmer wurden ganz anders gefeiert. Als Kind war es das Größte vor dem Fernseher alles mit anzusehen, mitzufiebern und schlussendlich mit zu jubeln.
Warum nur ist das Gefühl fort?
Ist Olympia nicht kommerziell genug? Im Zeitalter von überbezahlten Rennfahrern, Fußballstars und Tennisspielern fallen kleine Olympioniken gar nicht ins Gewicht.

20,000 € Prämie für eine Goldmedaille können nicht der Grund für die Teilnahme sein, nicht der Grund, für den in manchen Freestyle Disziplinen Sportler an persönliche und auch physikalische Grenzen gehen, ihre Gesundheit und manchmal sogar ihr Leben aufs Spiel setzen. Woher kommt der Reiz, und warum fehlt uns die Bewunderung für die Teilnehmer? Wäre ich Sportler, ja, …witziger Gedanke, ich weiß, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen all meine Zeit und persönlichen Ressourcen dafür aufzubringen, einem Platz auf dem Treppchen zu ergattern , nur für Ruhm und Ehre, und ohne jegliche finanzielle Ausbeute. Bin ich so oberflächlich, fehlt mir das Feuer des olympischen Geistes?
Scheinbar.
Wissen Sie, welchen Platz wir beim Medaillenspiegel belegt haben? Wir sind auf Platz Nummer 2 , ganz knapp hinter den Norwegern, denen schon aus geografischen und wetterbedingten Gründen olympische Winterspiele besser liegen sollten.
Zwischendurch war es sogar ganz eng, und wir für kurze Zeit auf Platz 1. Sollten wir Olympia mehr Aufmerksamkeit schenken und deren Teillnehmern ebenfalls?
In 2 Jahren können wir es besser machen- dann sind die 32. Sommerspiele in Japan .

Ich bin dabei, werde anfeuern und mich gefälligst interessieren.

Wie steht es mit Ihnen?

Ihr Fräulein Lindemann

 

Aschermittwoch.

Als ich jung war, war der Aschermittwoch ein Feiertag.

Ach nee, das war ja Buß- und Bettag, der auch immer auf einen Mittwoch fällt.

Aschermittwoch, was war das noch mal?
Gut, Karneval ist vorbei, also ist der Aschermittwoch das offizielle Ende der lustigen Zeit. Die Politiker rechnen alle noch einmal mit- und untereinander ab. Aber woher kommt der Aschermittwoch eigentlich, der Tag, 40 Tage vor Ostern.

Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, in der Heiligen Messe die Asche vom Verbrennen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen, und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen. Und dieser Tag ist der Beginn der Fastenzeit.

Der Mann und ich fasten auch. Man kann ja mittlerweile auf vieles fasten. Das älteste Kind hat mal voller Inbrunst berichtet, er würde nun auf Brokkoli fasten. Das ist ungefähr so, als würde ich auf Gorgonzola oder Leber fasten, und das zählt nicht so ganz.
Gestern gab es eine Reportage über Kleiderfasten. Ich habe nur den Einspieler gesehen, da hieß es, man entrümpelt seinen Kleiderschrank und kauft nichts Neues.
Wenn´s hilft.
Als Kind war fasten klar definiert: keine Süßigkeiten, wenig Fleisch, kein Dessert.
Bei dem Mann und mir heißt Fasten derzeit: keine Süßigkeiten und kein Alkohol.

Das klingt strikt, aber gesund, und ehrlicher Weise muss ich gestehen, es gibt hier ein paar Ausnahmen.
Die Alkoholabstinenz bezieht sich nicht auf das Wochenende. Hier sind uns der Mann und ich uns einig, allerdings sind wir uns nicht ganz klar über die Definition von „Wochenende“, hier hat jeder von uns so seine eigene Meinung.
Mein Wochenende ist nur am Freitag- und am Samstagabend fastenrelevant, bzw. die Ausnahme der Fastengrundregeln, das Fastenausnahmewochenende des Mannes beinhaltet auch den Sonntag.
Zusätzlich gibt es noch die Ausnahmeregel, dass wenn wir unter der Woche bei Freunden zu Gast sind, oder sie bei uns, oder wir uns in einem Restaurant treffen, die Alkoholverbotssituation ebenfalls aufgehoben ist.
Für Süßigkeiten gilt das im Übrigen nicht.
Wenn ich mir das so recht überlege, klingt das schon recht eigenartig und lässt ein wenig vermuten, des Mannes und mein Lebensinhalt bestünde nur aus Alkoholkonsum. Tut es nicht, wir mögen halt nur gerne Rotwein und Bier, und auch manchmal Gin.
Der Italiener und der Franzose trinken schon mittags, das machen wir nicht. Wir trinken auch nicht jeden Tag, aber mit Verboten ist es nun einmal so, dass wenn sie erst einmal ausgesprochen sind, der Reiz und das Bedürfnisse danach, um ein Vielfaches ansteigen.
Sagen sie sich mal: ich esse keine Schokolade mehr.
Kaum ausgesprochen, fängt jede Zelle an, nach genau dieser Schokolade zu gieren. Das Wasser läuft im Mund zusammen, man kann quasi fühlen wie sich der samtige Schokoladengeschmack im Mund ausbreitet, man hört förmlich das Knacken, beim imaginären draufbeißen.
Alles dreht sich im Kopf plötzlich nur noch darum, sich den Mund damit vollzustopfen. Erst ganz langsam und dann so lange, bis nichts mehr hineinpasst, man nicht mehr sprechen kann.

Das geht übrigens auch mit Chips und mit Nutellabroten.

9 Tage sind schon um- 31 Tage bleiben übrig.
Ich werde jetzt in den Keller gehen und mir ein alkoholfreies Weizenbier heraufholen und mir das mit dem Mann teilen. Alkohol wird überbewertet, das Belohnungsprinzip funktioniert auch mit Getränken in schönen Gläsern.

Morgen bekommen wir Besuch und es ist Freitag.

Ihr Fräulein Lindemann

 

Fasching.

Helau!
Oh ha, was für ein Kardinalsfehler. Es heißt selbstverständlich: Karneval. Und noch viel selbstverständlicher: alaaf!
Hier hat letzte Woche die 5. Jahreszeit begonnen. Früher dachte ich immer, das sei etwas übertrieben … ist es nicht!
Köln ist im Ausnahmezustand. Und das ist eine Tatsache.
Alles fängt am Donnerstag an, an Weiberfastnacht. Dann geht es weiter am Freitag, Samstag, Sonntag, Montag und dem Dienstag. 6 lange Tage lang wird gefeiert, getanzt, gesungen, gebützt, getrunken, noch mehr getrunken und noch mehr gesungen. Wissen Sie, wie lange man kölsche Lieder hören kann, ohne dass sich auch nur eines wiederholt?

Sehr lange. Partynächtelang.

Als Kind habe ich mich sehr gerne verkleidet. Wenn ich in meinem Fotoalbum nachsehe, sehe ich eine kleine Mexikanerin, einen Gartenzwerg, eine Katze, einen Koch, einen Clown oder auch ein Schneeflöckchen.
Ich erinnere auch noch eine recht einschneidende Karneval-Situation aus meiner Kindheit.
Ich war vielleicht 4 oder 5 Jahre alt und ging noch in den Kindergarten. Meine Mutter zog mir eine weiße Strumpfhose an mit schwarzer Turnhose und schwarzem Oberteil. Sie machte mir zwei Rattenschwänze, so nannte sie Zöpfe an der rechten und linken Kopfseite, und steckte aus Pfeifenreinigern gebastelte kleine Katzenohren daran. Meine Nasenspitze wurde mit Kajalstift schwarzgemalt, ich bekam Schnurrhaare, und irgendetwas, was ich vergessen oder verdrängt habe, hatte sie noch zusätzlich in mein Gesicht gemalt.

In großer Hektik, weil alles zeitlich viel zu knapp war an diesem Montag, düsten wir die Stufen im Treppenhaus herunter und wollten die Nachbarskinder einsammeln, um gemeinsam den Weg zum Kindergarten zu starten.
Alle starten mich mit großen Augen an.
Ich starrte zurück.
Meine Mutter starrte auch.
Niemand außer mir war verkleidet. Die Nachbarmutter schaute meine Mutter irritiert an und sagte verwundert: Rosenmontag ist doch erst nächste Woche.
Ich kann nur sagen, niemand mit 4 oder 5 Jahren möchte am Nichtrosenmontag verkleidet im Kindergarten auftauchen. Ganz ehrlich.
Aus Zeitmangel hätte ich meiner Mutter sofort zugetraut dies zu ignorieren. Sie tat es nicht, sondern zog mich die Treppen wieder hinauf in die Wohnung. Dort schmierte sie mir Krankenhausmengen NIVEA Creme ins Gesicht und rubbelte mir meine Schminke mit Wattebällchen ab. Dann steckte sie mich in neue Kleidung.
Die Nachbarskinder hatten nichts Besseres zu tun, als die Geschichte schön im Kindergarten zu verbreiten, und mit Restschminke im Gesicht und einem Restohr am Zopf gab es auch nichts zu beschönigen oder gar zu leugnen. Kinder können echt fies sein.

Hier in Köln verkleiden sich nicht nur Kinder. Nein, hier verkleidet sich jeder.
Der Mann und ich taten das dieses Jahr auch.
Aus Zeitmangel nicht in die großen Kostümkaufhäuser gehend, fanden wir uns in der Kostümabteilung des Karstadt wieder. Dort hatten wir eine erstaunliche Auswahl, allerdings verursacht zu große Auswahl auch Entscheidungsprobleme.
Ich entschied mich für das Erdbeerkostüm, der Mann wollte als Mönch gehen, dann musste es aber doch unbedingt ein Partnerkostüm sein, und da es keine männliche Erdbeere gab, und ich ablehnte als sexy Nonne zu gehen, konnten wir uns schlussendlich auf Herr und Frau Winnetou einigen.
Mit Kostüm, Perücke und Kopfschmuck ausgestattet, zahlten wir und brachten die Beute nach Hause.
Wir starteten am Samstagnachmittag mit unseren Vorbereitungen und schmissen uns in Schale, trafen uns mit Freunden zum Vorabpizzaessen und fuhren gemeinsam in die Stadt und in die Lokalität unserer Wahl.
Nach einer Stunde in der Schlange anstehen, und zwar in der Kälte, zwar mit Flaschenbier vom Kiosk, kamen wir unserem Ziel näher.
Die Kneipe war bis zum Anschlag mit kostümierten Menschen gefüllt, welche wiederum stark mit Reissdorf Kölsch gefüllt waren und fröhlich schunkelnd zu jedem Lied mitsangen.
Der Mann und ich sagen auch mit.
Jeder von uns hatte zwar seinen eigenen Text, und der hatte nicht immer etwas mit dem Original zu tun, aber wen interessierte das schon. Hier muss ich ehrlich sagen, dass der Mann schon wesentlich textsicherer ist als ich.
Eigentlich kann ich gar keinen Text, denn ich verstehe diesen kölschen Dialekt einfach nicht.

Die Kostüme waren großartig. Wir trafen 5 Taxen, Schweine im Weltall (Cäpten und Piggy- und deren Kumpel flüsterte mir zu: und wir wissen beide, Piggy liebt den Frosch und nicht ihn hier) Nicht sicher ob der Cäpten das auch wusste, und wer genau der Frosch war.
Es gab Pinocchio mit festgenähter Gina unter der roten Mütze, das Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ tanzte neben mir auf der Bank, gleich neben einer Zirkusdirektorin, die hier und da auch ihren Domteurstock einsetze. Indianer Jones war auch dabei, und ich musste unbedingt ein Selfie mit Martin Schulz machen.
Je später der Abend, desto schwieriger wurde es für einige Gäste klar zu sprechen, und umso mehr wurde geküsst, nicht unbedingt immer mit den gleichen Kusspartnern.
Aber wie sagt man so schon : What happens at Karneval, stays at Karneval….( Oder war es doch Vegas?)
Heute Abend wird der Nubbel verbrannt und damit alle Sünden, die sich zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch angesammelt haben.

Der Mann und ich sind leider nicht dabei, aber ganz sicher im nächsten Jahr, mit verschiedenen Kostümen und an mehr als an nur einem Tag von sechs.

Kölle allaf! Kamelle her!

Ihr Fräulein Pocahontas

 

Der Dschungel.

Hat Sie auch das Dschungelfieber erfasst? Ich bin infiziert, und zwar schon seit Jahren.
Seit Jaaahren.
Alles fing vor 14 Jahren ganz harmlos an mit einer neu angekündigten Trash-Show. Die Werbe Einspieler taten ihr übrigens und ich war quasi „adicted“.
Ich wollte sehen welch b und c und d Promis sich in eine solche Show wagen würden.
Bisher nur „Big Brother“ gewohnt, und das Sehen von BB auch komplett abgelehnt, war meine Neugierde geweckt.
Wer will schon Möchtegernsternchen beim Duschen zuschauen, und wer will schon ihre herzzerreißenden Stories über Liebe & Co hören, die das Wort Fremdschämen wieder neu ins Rennen bringen?
Ich nicht, dafür war mir meine Zeit zu schade, bis, naja, bis eine blonde Moderatorin mit frechem Mundwerk, und ein kleiner dicker Mann mit verkorksten Proportionen, ein neues Zeitalter einläuteten: Das Dschungelcamp war geboren.
Und hier ging es um viel mehr: völliges Hosen runter lassen, Demütigungen, Peinlichkeiten, und bei all den Gegebenheiten zu schauen, wer mit der größten Würde dem Dschungel entkommen kann.

Wer war noch gleich beim ersten Mal dabei? „Anita- Sänger“ Costa Cordalis, dessen mittlerweile angeheiratete Bagage auch schon mitgemacht, und man staune, das aktuellste Krönchen erobert hat.

Wer noch?

Werner Böhm, übergewichtiger Ex-Klamauk -Sänger, eher bekannt unter „Gottlieb Wendehals“, irgendwie der Versenkung entkommen, leider völlig unbekannt für die Altersgruppe der 16-35-Jährigen Zuschauer.

Susan Stahnke, ehemalige Tagesschausprecherin, aber zu höherem wie Schauspielerei und Moderation berufen, mir allerdings nur noch als „Stehpisseure für Frauen- Promoterin“ im Gedächtnis.

Carlo Thränhardt. Leitathletiklegende, aber leider ohne genügend Aufmerksamkeit, und Daniel Kübelböck, DSDS Teilnehmer und Gurkenlaster-Crasher.

Ehrlich?
Ja, Ehrlich. Und herrlich.
Jedes Jahr im Januar wieder. Der Mann, als wir uns kennenlernten, eher auf seriöse Berichterstattung, Tatort und Akademiker freundliche Zeitungen fokussiert, ist über die Jahre in den voyeuristischen Bann gezogen worden – und ihm verfallen.

Ja, wir schauen gemeinsam, voller Leidenschaft und wir nehmen die Folgen auf, die wir aus zeitlichen Gründen nicht schauen können.

Aber warum?
Sind wir nicht genügend mit unserem eigenen Leben beschäftigt, macht es uns Spaß zu sehen wie sich Menschen in beschämende Situation bringen, Tier Genitalien essen, so dass ich beim Hinschauen schon anfange zu würgen?
Menschen, die alle ihre Stories erzählen wollen, weil wohl sonst keiner zuhört, die 11 Tage Aufmerksamkeit wollen, damit sie ganz kurz wieder den Schein von Wichtigkeit erhaschen.

Wer aber sind wir, die sich daran erfreuen. Erfreuen ist vielleicht zu viel gesagt,
nennen wir es mal: unterhalten.
Was sagt das über uns?
Sind wir auf Peinlichkeiten anderer aus? Sind wir von unserem eigenen Leben so gelangweilt? Geht es uns besser, wenn es anderen schlechter geht?
Erfreuen wir uns an Blamagen anderer? Vielleicht ein wenig, ehrlich gesagt, aber genauso muss ich lachen, wenn irgendjemandem etwas Doofes passiert, oder auch, wenn mir etwas Blödes geschieht.
Ist das Erklärung genug?
Dieses Jahr hat mich das Dschungelcamp enttäuscht.
Alles war harmonisch, alle nett zu einander, so dass der übertragende Sender, sicherlich kurz in Panik verfallen bezügliche der miesen Einschaltquoten, ein wenig Action einbauen musste.
Hier ein paar Zigaretten weniger, dort einige schwierigere Prüfungen- einfache Sache, zack, da ist die gute Laune dahin.
Der Mann und sich sind gelangweilt, vielleicht sind 14 Jahre genug, die Ausbeute an Halbsternchen ausgeschöpft und wir genug mit unserem echten Leben beschäftigt.

Mal sehen was als nächstes kommt, gestern habe ich kurz in „der Bachelor“ reingeschnuppert….

Ihr Fräulein Lindemann.

 

Tanzen.

Seit je her tanzen die Menschen.
Tanzen ist ein Ausdruck der Freude, nun gut, es kann auch ein Ausdruck von Kriegsbereitschaft, so wie bei den Sioux, sein, oder einfach nur der simple Wunsch nach Regen.

Tanzen kann anmutig sein, wild, ausgelassen und befreiend. Man kann alleine tanzen, zu zweit oder in der Gruppe.
Paartanz reduziert das Demenzrisiko. Das sagt zumindest eine Studie.
Tanzen hält das Gehirn fit und deutsche Forscher haben untersucht, ob das Erlernen komplexer Tanzschritte, und die damit verbundene geistige Herausforderung, Menschen hilft, geistig fit zu bleiben.
Tanzen hat etwas mit Gefühl und mit Rhythmus zu tun.
Meistens jedenfalls.
Der Mann und ich haben gerade einen Tanzkurs begonnen.
Zum einen, um uns auf eine anstehende Hochzeit vorzubereiten, um der Demenz entgegen zu wirken, und weil wir es zusammen mit dem Brautpaar machen, die genau wie wir manchmal etwas zusammen tanzen können, allerdings nicht immer, und nicht zu allem.

So ein Tanzkurs für Anfänger hat schon einen speziellen Unterhaltungswert.
Erst einmal standen wir in diesem riesigen Tanzsaal mit ungefähr 10 anderen Paaren, die unterschiedlicher nicht hätten sein könnten, und die den Querschnitt der Kölner Bevölkerung recht gut repräsentierten.

Die Luft war noch stickig und fast ganz weggeatmet, mit leichter Schweißnote versehen, vom vorherigen Kurs.
Der Tanzlehrer kam mit seiner Kursassistentin und klärte uns erst einmal auf unterhaltsame Weise auf, wer denn so beim Tanzen führe.
Dies tat er mit Nachdruck, so dass egal welche Richtung eingeschlagen würde, oder was auch immer geschehe, es an der Tatsache, dass der Mann führt, nichts zu rütteln gäbe.

Ich bin mir da ja nicht so sicher und denke, dass ein hilfreicher kleiner Ratschlag hier und da noch keinem geschadet hat.

Der Mann sieht das nicht so.

Unsere Mitstreiter waren sich da auch nicht ganz einig. Thomas, bestimmt 1,90 groß, machte Schritte von mindestens 90 cm mit seinen 5 m langen Beinen, das sah weder anmutig aus, noch grazil, noch schaffte Birgit es, mitzuhalten. Sie machte Schritte, die eher an einen Spagat erinnerten als an einen Tanz. Noch dazu fehlte jede Geschmeidigkeit, jegliches Gefühl für die Musik oder hatte Ähnlichkeit mit sanften oder geschmeidigen Bewegungen, alles war eckig und staksig.

Familie Herkenhoff (Ende 60) entschied sich für die Hüpfvariante, und sie hopsten wie ein Flummi durch den Saal. Das sah lustig aus, und der Mann und ich waren ein wenig amüsiert, wenn wir nicht gerade diskutierten.
Das Schuhwerk der einzelnen Paare ging über High-Heels bis hin zu Sneakers. Keine Ahnung warum man Turnschuhe zum Tanzen anzieht.
Ich kann sagen, dass der Wiener Walzer nicht so meins ist. Der Mann hat so Gas gegeben und uns herumgewirbelt wie ein Zyklon, dass ich dachte ich müsste quer über das Parkett erbrechen. Er sah auch nicht top fit aus dabei, und wir mussten uns ein wenig gegenseitig stützen.

Mit unserer Kommunikation und unseren Zeichen (auf den Rücken tippen, auf die Schulter drücken oder einfach nur schnell rüber zischen: noch mal) sind wir uns auch noch nicht ganz einig, dass bedeutet, dass immer nur einer von uns genau weiß, ob sich der andere noch ein paar Mal mehr drehen sollte, oder wir ein paar Schritte weiter nach hinten gehen, als vorher angedacht.
Zwischenzeitlich schiebt sich auch gerne mal sein rechter oder linker Fuß unter einen meiner Füße. Da kann ich gar nichts für.

Tanzen bringt Spass, man lernt sich kennen, man muss sich fallen lassen, und das Zepter abgeben.

Tanzen ist eine Herausforderung- körperlich und für die Beziehung zueinander. Tanzen ist sinnlich, man lässt sich ein, auf den anderen und auf die Sache.

Am Sonntag geht es wieder los und vielleicht darf ich ja doch auch mal ein klitzekleines Bisschen den Takt vorgeben, dann, wenn der Tanzlehrer nicht schaut und der Mann einen schwachen Moment hat.

Ihr Fräulein Lindemann.

 

Multitasking.

Frage an mein Gehirn: Bist du wirklich multitaskingfähig?
Man mag es manchmal glauben. Wir fahren Auto, gleichzeitig telefonieren wir und wir hören auf das Navigationssystem. (meistens)

Kürzlich musste ich zum Flughafen und habe auf der Autofahrt ausgiebigst mit einer Freundin telefoniert.
Es war nebelig, und es hat leicht genieselt. Irgendwann sah ich auf einem dieser blauen Schilder einen Ort, den ich so gar nicht kannte. Also natürlich kannte ich den schon irgendwie, allerdings nicht auf dem Weg zum Flughafen, den ich doch in einer wiederkehrenden Regelmäßigkeit anfahre und dessen Ausfahrten und Schilder ich zur Genüge kannte.
Also runter von der Autobahn, Richtung wechseln, und zurück. Ich war 32 km von meinem Ziel entfernt und mein Zeitpuffer schon etwas ausgereizt. Das Telefonat beendete ich selbstverständlich nicht- ich bin ja multitaskingfähig.
Der Gedanke war noch nicht ganz gedacht, da: Zack! Ein kurzes rotes Licht, und ich wurde zur Belohnung geblitzt.
Telefonieren und Geschwindigkeitsschilder beachten, ist scheinbar auch eine kleine Challenge, zumindest unter Zeitdruck.
Dafür kann ich mich während des Autofahrens schminken- genauer, während ich Auto fahre. Das habe ich mir schon früh angeeignet, morgens 5-7 Minuten im Bad einzusparen kann lebensnotwendig sein.

Es gibt eine neue Studie, die besagt, dass Multitasking nicht möglich ist, aber darin schneiden Frauen jedoch besser ab als Männer. Heißt das jetzt, Frauen sind es nicht, … und Männer doppelt nicht?
Der Mann sagt immer, er beherrsche es, Dinge gleichzeitig zu tun, beispielsweise neben mir auf dem Sofa zu sitzen, TV zu schauen… und schnarchend zu schlafen.
Hinterfrage ich das, bekomme ich nur ein müdes Lächeln und das vehemente Abstreiten, dass Schnarchen etwas mit Schlafen zu tun haben könnte. Er behauptet ganz fest, er hätte alle Einzelheiten unseres Films genau verfolgt.
Zwei Sekunden später fragt er entweder ganz verwundert, wer die unterschiedlichsten Figuren in unserem Film seien, oder er vertreibt wieder lautstark sich anschleichende Bären und Wölfe.

Warum meinen wir immer, alles zur gleichen Zeit machen zu müssen, und warum entscheiden wir uns nicht, einfach nur um Qualität rein zu bringen, oder unserem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit entgegen zu bringen.
Wollen wir Zeit sparen? Nichts verpassen?
Oder sind uns die Dinge so wenig wert, so dass wir sie halbherzig und ohne Leidenschaft hinter uns bringen. Nun gut, über Leidenschaft beim TV-Schauen müssen wir uns nicht unterhalten, aber diese Form des sich Teilens und Nichtgerechtwerdens ist schon echter Stress und manchmal mit doppeltem oder dreifachem Aufwand verbunden.

Anfang der Woche war ich in London, und um in das Meetinghotel zu gelangen, musste ich den Terminal wechseln. Eigentlich keine große Sache, nur lange Wege zu bewältigen.
Da ich mich aber mit meinem Köfferchen in der Hand und diversen Taschen unterm Arm während des Gehens langweilte, musste ich Emails während des Laufens checken, und dann auch noch telefonieren.
Kein Problem für mich, ich schwamm einfach mit der Masse mit.
Irgendwann nahm die Menge jedoch Fahrt auf- ich auch – um den sich gerade im Abfahren begriffenen Zug noch zu erreichen.
Ich war dabei, selbstverständlich.
Auf meinem Platz sitzend, verstaute ich mein Handy und schaute dem Schaffner entgegen, der nun auf mich zu kam und nach meinem Ticket fragte.
Ich erklärte ihm, dass ich ja nur den Terminalwechsel und daher natürlich kein Ticket habe. Er erklärte mir, dass wir auf dem Weg nach „Paddington“ seien und an keinem Terminal mehr vorbeikämen.
Ich schaute ihn mit großen Augen an. So ein Mist!
Er erklärte mir, das würde immer mal passieren, und er schrieb mir einen Zettel für den Zug zurück, so dass ich dort auch kein Ticket vorzeigen müsste. In „Paddington Station“ angekommen, begleitete mich Ian (ja, neuen Freund gefunden) zum richtigen Zug.
Entweder dachte er, ich könnte es wieder vermasseln, oder ich sei eine clevere Lügnerin, die sich eine Freifahrt mit dem Heathrow Express erschummeln wollte.
Ich wollte nicht schummeln, ich war nur nicht in der Lage verschiedenen Dingen gleichermaßen meine Aufmerksamkeit zu schenken.

Ich werde mir jetzt ein Gals Wein einschenken, und dazu einen kleinen Snack essen, ich werde die Füße hochlegen und Musik hören.

Scheiß auf die Studie, ich bin sicher ich schaffe das…

Ihr Fräulein Lindemann