39.

Zahlen sind magisch und spielen seit jeher eine große Rolle im Leben einer Frau.

Wir wollen Einsen auf dem Zeugnis, fiebern dem 13. Lebensjahr entgegen, um endlich ein Teenager zu sein. Nicht, dass wir uns nicht eh schon so benehmen würden.

Mit 16 machen wir den Roller-oder Moped Führerschein oder trinken öffentlich ein Glas Bier, und mit 18 sind wir endlich vermeidlich erwachsen.

Wir halten uns an Geschwindigkeiten, und wir überschreiten sie auch.

Wir wissen genau in welchem Alter wir den ersten Jungen geküsst haben, und vielleicht kennen wir sogar noch unserer erste Telefonnummer ( 76917 und 1663- getrennte Eltern), denn im Zeitalter von Telefonzellen und Mobiltelefonen, so groß wie Kühlschränke und auch nur einem winzigen Personenkreis zugänglich, weil selten und unbezahlbar, haben wir uns gegenseitig, ganz altmodisch mit einem Wählscheibentelefon angerufen. Und hier hilft es schon ungemein, die eigene Rufnummer parat zu haben.

Zahlen sind wichtig. Immer und besonders, wenn es um uns geht. Die Anzahl der Schuhe und der Handtaschen im Schrank zum Beispiel, wo die Worte “zu wenig“ keine genaue Zahlenangabe sind, jedoch für jedermann verständlich und ja, auch irgendwie entfernt mit Zahlen zu tun habend. Das ist Frauenlogik und völlig plausibel.

Wir wiegen und wir messen uns. Wir schummeln auch, und wir schätzen. Ich schätze oft, …eine 36 könnte ausreichen und in Gedanken sitzt da auch alles völlig locker und lässig. Die Bekleidungsindustrie jedoch ist sich nicht immer einig mit meinen Maßen, somit tendiere ich manchmal auch zu einer 38.

Meine Füße sind flexibel, die haben das früh gelernt.

38 oder 38,5, manchmal auch 39 – je nach Schuh- Erhältlichkeit, da kann man auch schon manchmal mit einer Einlegesohle nachhelfen, wenn man stark in ein paar neue Schuhe verliebt ist. Macht das immer Sinn? Hmm…ich antworte mal nicht.

Meine Mutter ist das genaue Gegenteil. Erstens hat sie größere Füße, zu ihrem Leidwesen. An dieser Stelle habe ich eine Freundin, die hier schallend lachen würde, denn Größe 40, wären Puppenfüße in ihren Augen. Und zweitens findet meine Mutter, Größe 40 sei inakzeptabel.

Warum? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ein Größe- 40 -Trauma, oder sie ist als Kind für ihre Füße gehänselt oder versehentlich in die Herrenabteilung geschickt worden. Vielleicht denkt sie, sie könne bei einer Körpergröße um die 163 cm mit Größe 40 großen Füssen den Anschein von Bigfoot machen… Sie äußert sich nicht. Sie besteht nur auf Größe 39.

Wir wissen was Cinderellas Schwestern veranstaltet haben, um in den blöden Schuh zu passen…Meine Mutter könnte eine entfernte Cousine von denen sein.

Intressant nur ist, dieses Problem hat sich erst vor einiger Zeit offenbart.

Meine Mutter hatte mich mit ihrer besten Freundin besucht, und wir haben gemacht, was wir Frauen gerne machen. Ab in die Stadt und nach Schuhen schauen.

Dieses eine Paar Stiefel hatte es ihr angetan, allerdings sah ihr Fuß irgendwie gestaucht, gequetscht und den Schuh auf seltsame Weise komplett ausfüllend aus, so dass man sich nicht gewundert hätte, wenn Teile des Fußes oben aus dem Stiefelschaft heraus gequollen wären. Ein elegantes Abrollen war auch nicht so richtig möglich. Es sah einfach so aus wie es war: zu viel Fuß für einen Stiefel in Größe 39.

Aber nein, beste Freundin und ich irrten, ebenso wie die Verkäuferin, die fataler Weise sagte: den haben wir auch größer-kein Problem!

Doch ein Problem, denn der Schuh nahm in Sekundenschnelle an Attraktivität ab.

Meine Mutter war empört und antwortete schnippisch, dass größer nicht nötig sei da sie schon immer 39er Schuhe besäße und diese auch passen.

Irgendwann konnten beste Freundin und ich sie zu einem Versuch überreden, der 40 eine Chance zu geben. Wie durch ein Wunder passte der Stiefel. Aber nein, der hatte viel zu viel Luft an den Seiten und sah entsetzlich zu groß aus. Beste Freundin und ich schlugen vor, mit Edding einfach eine 39 auf den Schuhkarton zu malen. Dies wurde mit einem vernichtenden Blick abgestraft.

Die Diskussion anschliessend brachte wenig Erhellendes, denn die eigentliche Frage, was wichtiger sei, eine Zahl oder ein passender Schuh, wurde nicht wirklich abschließend beantwortet. Nun ja, irgendwie ja schon, denn meine Mutter hatte ja eine klare Meinung zu den Prioritäten.

Sie kaufte ihn natürlich nicht, aber ich kaufte ihn ihr, und sie versprach hoch und heilig ihn zu tragen. Beste Freundin und ich schauten uns verschwörerisch an, denn das würden wir überprüfen.

Ich werde damit ab morgen aufhören, mich jeden Morgen auf die Waage zu stellen, vielleicht reicht es auch alle 2 Tage. Ich werde Zahlen nicht mehr mein Leben bestimmen lassen, und wenn der Pulli in 40 einfach lässiger sitzt, ich atmen und essen kann, dann ist das wohl wichtiger.

Nehmen wir uns ein Beispiel an den Männern, die finden sich immer toll, egal wie groß, klein, dick oder dünn sie sind…

 

Bis nächste Woche.

Fräulein Lindemann

 

Adé.

Ich bin nicht emanzipiert, jedenfalls nicht emanzipierter als andere Frauen, die in den 70ern geboren wurden. (Ende der 70er, fast schon 90er…)

Meine Mutter hat immer gearbeitet, halbe Tage, stundenweise, aber es war immer klar, selbstverständlich muss sie arbeiten. Nicht um sich zu verwirklichen, oder weil sie es unglaublich toll fand, und weil sie sich zuhause mit Haus, Garten und 2 Kindern gelangweilt hat. Nein, das war eine rein wirtschaftliche Entscheidung.

Meine Omi hat auch immer gearbeitet, ich kann mich daran erinnern, dass sie noch mit über 60 in einer Grundschule geputzt hat. Sie hat mich mal mitgenommen, und dieser Geruch von Bohnerwachs ist immer noch in meiner Nase. Auch sie musste arbeiten, da sie sich in den 1940ern zusammen mit meinem Opa dafür entschieden hatte, sich ihre Rente im Vorfeld auszahlen zu lassen. Heute gibt es das nicht mehr, aus gutem Grund. Nun ja, das Geld war irgendwann weg…und mein Opa auch.

Ja vermutlich war meine Omi emanzipiert, sie trug Hosen, und hat 40 Jahre gut alleine gelebt und alles alleine geregelt, inklusive ihrer vielen Umzüge und das Großziehen ihrer 4 Töchter. Autofahren konnte sie nicht, aber sie wusste trotzdem alles ganz genau im Straßenverkehr, oftmals auch besser…

Allerdings hat sie auch alle weiblichen Attribute erfüllt. Sie konnte kochen, backen und stricken. Ist einmal die Woche zum „Putzer“ gegangen (Niedersächsisch= Friseur) und hat sich auch mit über 90 noch Frei Öl gegen die Falten ins Gesicht und Dekolleté gecremt.

Unser Problem ist nur, dass wir gerne mal Emanzipation mit Selbstständigkeit verwechseln und Alice Schwarzer ein Schimpfwort ist.

Ist das böse Wort Emanzipation, so wird es ja oft genutzt, und es hat immer auch einen negativen Beigeschmack, nicht einfach nur eine Entschuldigung der Männer, uns nicht mehr in den Mantel zu helfen oder uns wohlmöglich nicht mehr einzuladen? An dieser Stelle möchte ich kurz sagen, wir wollen nicht eingeladen werden, weil wir unsere Kohle sparen wollen, die wir vielleicht gerne in Schuhe und Handtaschen investieren würden, sondern, wir möchten eingeladen werden, weil wir es Euch wert sind.

Da wird man ohne Rücksicht im Flugzeug von hinten weggedrängelt, man kann sich abmühen beim Köfferchen hochheben um ihn im Gepäckfach zu verstauen. Da muss man nicht glauben, eine helfende Hand zu bekommen.

Gerne wird sich auch mit dem Handköfferchen vorgedrängelt und der Weg wird abgeschnitten, oder es wird abrupt gestoppt, so dass kürzlich eine Freundin tatsächlich auch zu Boden ging. Frauen passiert das nicht, da sie vorzugsweise 4- Rollen-Koffer haben, die eng am Körper geschoben werden, sogar einhändig. Jedoch für den Mann, egal ob Macho oder Memme, das auf gar keinen Fall infrage kommt.

Beobachten Sie das mal bei ihrem nächsten Flug, Männer ziehen selbst den 4-Rollen-Koffer hinter sich her als wäre es ein 2-Rollen Koffer.

Wo sind nur unsere Umgangsformen hin? Da wird mit Zahnstochern gesucht, mit Fingern ungeniert geprokelt und beim Gähnen ist die Hand vor dem Mund völlig überbewertet.

Ich bekomme jeden Morgen einen Kaffee ans Bett, dafür gibt es jeden Abend etwas Leckeres zu essen. (da ist der Mann unkompliziert, er mag auch Bütterchen oder einen Strammen Max).

Ich sauge und mähe den Rasen, der Mann auch.

 

Raten Sie mal was genau heute vor 40 Jahren war? Da wurde die „Emma“ geboren, mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren.

 

Ihr Fräulein Lindemann

 

 

 

 

Holz.

Übersetzten wir uns mal die Lieder, die wir im Radio fröhlich mitträllern, würden wir vielleicht das ein oder andere Mal besser unseren Mund halten , wüssten wir doch nur über die genaue Bedeutung besser Bescheid, oder verstünden wir die Texte besser, mal abgesehen von mieser verwendeter Grammatik.

Da sind „Britney Bitch“, „sexy Mother fucker“ oder „ …can you blow my whistle baby… „ nur kleine Hör-Beispiele. Die Hauptsache ist doch, die Melodie stimmt, da sind wir gar nicht so wählerisch.

Ehrlich?

Da singen junge Mädchen, erwachsene Frauen, und aber auch Jungs und Hetero-Männer über das „whistle blowing“ , und über die genaue Anleitung des Herrn Flo Rida, und wir alle wissen nun, wie er es denn so am liebsten hätte.

Warum nehmen wir nur alles in englischer Sprache einfach hin? Wo sind unsere Neugier und unser Interesse? Sind wir etwa so verblödet? Wo ist unsere Liebe zur eigenen Sprache?

Schaut man sich um: alles ist in englisch; der Café „TOGO“, der dann doch nicht aus Afrika stammt. Beim Anprosten sagt man „Cheers“. „Hi“ ist schon ebenso lange dabei wie „cool“.

Schlimm wird es, wenn man das deutsche Wort nicht mehr weiß. Wie würden Sie auf die schnelle „Feedback“ oder „Lounge -Chair“ übersetzen können, so dass es auch Sinn macht. Sei es beim Copy Shop, beim Burger Grill oder beim Fast Food, hier ein Casting , dort eine Competition- unsere Sprache wird verdrängt. „Schreib mir doch mal schnell eine E-Mail mit der Summary des Phone Calls und einem Follow-Up Actionplan für unser nächstes Review.“

Seriously?

Wir (eine Verallgemeinerung- weder ich, noch jemand aus meiner Familie oder aus meinem Freundeskreis) nennen unsere Kinder: Kevin, Nancy oder Mandy, und verursachen damit generationsübergreifende Vorurteile in der Gesellschaft, und schlimme Assoziationen beim Hören mancher Kindernamen. Und nein, das ist kein reines ostdeutsch gelagertes Problem

Bei so manchen deutschen Texten, die wir ebenfalls gut gelaunt und beschwingt mitsingen, und die es ohne große Mühen in die Charts schaffen, kann man allerdings auch kräftig über den Sinn diskutieren.

„Ich und mein Holz…“

Ist damit die Latte vorm Kopf gemeint? Oder ist das die Belebung der 70er, nur schon etwas fortschrittlicher verarbeitet und die Fortsetzung von „ich und mein Baum“?

Ich bitte Sie, wie kann es so ein unsinniges Lied in die Charts schaffen? Sind wir so humorvoll oder so geistlos? Manche sagen vielleicht jetzt: das ist nicht neu, das hatten wir in den 80ern schon, hier nur als neue deutsche Welle.

Ja, hier gebe ich im ersten Moment Recht. Trios „da, da, da“ ist mir bis heute ein Rätsel. Ich habe lange gehofft, dass es sich hier um eine spezielle und versteckte Nachricht handelt, eine Art Code und nicht um einen ernstgemeinten Liedertext

Aber die NDW war eine Bewegung, ein kleiner Protest.

Was ist das heute? Da geht es nur um Verkaufszahlen, höher weiter, schneller, aber wir wissen ja alle, Sex sells , oder einfach nur Mut zur Dummheit. Nachdenken will ja eh keiner mehr, und somit trifft das vielleicht ein wenig unsere Zeit. Mitmachen ohne nachzudenken.

Ich wünsche mir wieder mehr Aussagen. Muss ich immer gleicher Meinung sein? Nein, aber ich sollte immer eine eigene Meinung haben und öfter Dinge hinterfragen. Und manchmal sollte ich auch wissen, was ich singe…

 

In diesem Sinne

 

Die Mittelarmlehne.

Wenn ich fliege, versuche ich am Fenster zu sitzen, immer. Ich hasse Gangplätze. Da kann ich nicht schlafen, und ich muss im Flieger schlafen. Die Geräusche, der Geruch…alles schläfert mich ein. Ich versuche manchmal zu arbeiten, oder zu lesen. Zwecklos. Zack, sind die Augen zu, und ich falle in einen so tiefen Schlaf, dass ich anfange zu träumen und auch jegliche Bewirtung verpasse. Meine Flüge sind eigentlich immer mit Getränk und Bütterchen gebucht, totale Geldverschwendung eigentlich. Für den Mann ist es auch langweilig mit mir zu fliegen, und er bemängelt regelmäßig meine Unfähigkeit ihn während des Fluges zu unterhalten

Am Gang sitzt man wie auf dem Präsentierteller. Wenn man das Kinn nirgends aufstützt, klappt der Mund beim Schlafen auf. Unschön, wenn Speichel den Mundwinkel runterläuft oder sich aufgrund des geöffneten Mundes ein Schnarchton heraus verirrt und die Mitreisenden unterhält. Grässliche Vorstellung. Noch dazu sind Gangplätze gefährlich.

Sicher, sie unterstützen die Besuchsfrequenz der Orthopäden, aber schaut man sich in deren Wartezimmern um, haben sie unlängst genug zu tun. Diese Rollis sind aber auch verdammt schwer und räumen alles aus dem Weg, wie kleine Planierraupen.

Der Mittelplatz ist ein No-go, außer jemand bekanntes sitzt neben einem. Ansonsten ist es definitiv sehr gefährlich, dort ein Schläfchen zu halten, …für die beiden Nachbarn.

Vor einer Weile saß ich im pickepacke vollem Flieger von London nach Düsseldorf, links neben mir auf dem Gangplatz, eine etwas fülligere, nicht richtig frisch riechende, Dame in den späten 60ern und links neben mir, da saß ein kleines Männlein, vertieft in seinen Roman.

Wie sollte es anders kommen, ich schlief ein, und nicht zum Anlehnen habend, kippte ich nach rechts und an die Schulter des lesenden Herren.

Irgendwann wachte ich auf, immer noch an den Mann neben mich gelehnt, der dies stocksteif und kaum atmend ertrug und sich mit seinem Schicksal abgefunden hatte. Mit großer Freude stellte ich fest, ich hatte nicht gesabbert… trotz offenen Mundes. Peinlich war es trotzdem.

Interessanter ist jedoch die Frage: wie teile ich 4 Armlehnen auf 3 Fluggäste auf und: wer hat Anspruch auf welche? Gibt es überhaupt einen Anspruch, oder gilt hier: first come- first get? Und zählt die Armlehne zum Gang überhaupt als ganze, weil es ja dort eigentlich eine Gefahrenzulage geben müsste? Somit quasi eine 2.Armlehne.

Auf jeden Fall beansprucht die Person in der Mitte gerne 2 Armlehnen, ich muss leider sagen, oftmals auch Teile meines Sitzes. Die gebe ich selbstverständlich gerne frei, wenn ich mich aus geruchstechnischen Gründen Richtung Fenster drehen muss, dann gibt es immer auch ein bisschen Extra- Platz auf meinem Sitz.

Glauben Sie, Airline-Personal ist darauf geschult „größere“ Menschen mit Geruchsproblemen und viele Zwiebeln und Knoblauch gegessen habend, auf Mittelplätze zu setzen? Es macht schon manchmal den Eindruck.

Ist das Fernweh oder Neid, weil anstatt in die Welt zu reisen, der Schalterplatz besetzt werden muss? Oder war man selbst zu mürrisch und das ist die Strafe?

Vielleicht bin ich das nächste Mal einfach etwas netter, maule nicht rum, wenn mal wieder meine Vielfliegerkarte nicht richtig eingelesen wurde und kaufe mir einen neuen Schal, in den ich mein Gesicht komplett einwickeln kann.

Ich hoffe, es wird demnächst kein Vermummungsverbot in Flugzeugen geben.

 

Ihr Fräulein Lindemann

 

Die Macht der Gedanken.

Wenn man lange genug, oder auch nur intensiv genug an etwas denkt, oder sich etwas anschaut (und ein wenig emphatisch ist) setzt es sich einfach im Kopf fest.

Bei mir funktioniert das super.

Schaue ich, wie eine eiskalte Coke getrunken wird, mit Wassertropfen an der Flasche, die zeigen, wie kalt und erfrischend die Cola jetzt ganz sicher ist, mit einer coolen Musik im Hintergrund, und der durchaus attraktiven Hauptperson im Vordergrund, die diese Cola gerade trinkt, läuft mir direkt das Wasser im Mund zusammen, und ich würde diese Cola vom Fleck weg kaufen.

So ist es auch mit dem Big Mac aus der Mc Donald´s Werbung, auch wenn ich mit absoluter Sicherheit weiß, dass der Burger im TV nicht das Geringste mit dem lieblos belegten Pappbrötchen aus der Realität zu tun hat. Ich bekomme Hunger und habe das Gefühl, ich kann mir ein Leben ohne ihn NICHT mehr vorstellen.

Sehe ich super schlanke Menschen in Sportsachen, steigt meine gedankliche Kondition von -10% auf 120%, ebenso schrumpft meine Kleidergröße um mindestens eine Größe nach unten, und mein Bauch gleicht weniger einem „Golden Ring“ sondern einem dezent definierten Waschbrettbauch.

So ein Gedanke, oder manchmal auch ein Wunsch- Gedanke in Richtung Universum, kann durchaus positive Auswirkungen haben, man muss sich nur an kleine Spielregeln halten:

  1. Das Universum kennt kein „nein“ und
  2. man muss präzise sein.

Das bedeutet, wenn man es nur richtig anstellt, bekommt man einen Parkplatz, der dann sogar groß genug ist für das Auto, das man gerade fährt, und man bekommt auch kein Straf-Ticket, weil man zu faul und zu geizig war und keinen Parkschein gezogen hat.

Manche Menschen nennen das aber auch einfach nur Glück.

Nun zu den unglücklicheren Auswirkungen. Denkt man zu lange über eine Person oder ein Wort im Allgemeinen nach, schummelt sich genau dieses Wort in den nächsten Satz. Doof nur, wenn man an Peter gedacht hat, aber Klaus vor einem steht.

Vor einigen Wochen saß ich todmüde, vom Jetlag geplagt, in einem amerikanischen Taxi, früh am Morgen, und wichtig, um meinen Zustand besser zu verstehen, ohne Kaffee und irgendwelcher Kohlenhydratzufuhren. Aus purer Langeweile, und damit ich mit keinem sprechen musste, wollte ich mich bei meiner Mutter über meine beiden mit mir im Auto sitzenden Kollegen auslassen, und ja, ganz ehrlich, lästern, und sie auf den neusten Stand- meinen ganz persönlichen -bringen.

Gespräche zwischen Müttern und Töchtern sind privat, und man darf alles sagen.

Ganz im Lästerwahn vertieft, schickte ich diese wirklich böse SMS auf ihren Weg.

Dann plötzlich der Adrenalinausstoß.

Panik.

Herzklopfen.

Das Hirn kann keinen geraden Gedanken mehr verfassen, außer der Frage: Hab ich das jetzt wirklich an eine mit mir im Taxi sitzende Person geschickt, anstatt an meine Mutter?

Und ich enttäuschte mich nicht- ich hatte.

Ich tue mich manchmal schwer psychosomatische Probleme ernst zu nehmen, hier kann ich nur sagen: es gibt sie, und meine machten sich mit Beklemmungen und Schnappatmung direkt bemerkbar.

So ein Fu…!

Was macht man in einer solchen Situation? Wo ist das Handbuch mit dem kleinen Regelwerk für diese Art von Misere hin, wenn es gebraucht wird?

Erst einmal Contenance bewahren. So tun als wäre alles ganz normal, selbstverständlich auch über seinen Chef zu meckern und für Begriffsstutzige dazu noch alles mit diversen Emoties (scheiß Langeweile- und meine Mutter gehört dieser Gruppe nicht an- selbstverständlich)) leicht verständlich zu untermalen, so dass vermutlich auch mein Chef, neuer Besitzer dieser besagten SMS, trotz fehlender Deutsch-Kenntnisse (aber großer Liebhaber von Google- Translation) eine Idee meiner Nachricht haben würde.

Nachdem sich meine Gesichtsfarbe wieder auf einen normalen Level eingependelt hatte, und von Knallrot wieder in einen gesunden Roséton wechselte, beugte ich mich zuckersüß nach vorne und trällerte (das war der Moment als der Chef entdeckte, dass eine neue SMS eingetroffen war), dass ganz versehentlich eine SMS an meine Mutter den falschen Weg genommen hatte, und die einfach ignoriert und gelöscht werden könne.

Man notierte dies mit einem Kopfnicken, und ich entschied nicht weiter zu insistieren, dies wäre zu auffällig gewesen, und würde vermutlich erst die durchaus schon in ausgeprägtem Maße vorhandene Neugier weiter wecken.

Im Office angekommen schlich ich auf die Damentoilette und rief meine Mutter an.

Die lachte erst einmal. Das war nicht hilfreich und verbesserte meine Situation nicht im Geringsten.

Im Kopf bin ich bereits verschiedene Möglichkeiten durchgegangen, mich dieser leidlichen SMS zu entledigen.

 

Ich trug ihr meine Eliminierungspläne vor. Diese waren recht unterschiedlich: die Pin auszuspionieren, das Handy zu knacken und die dämliche SMS zu löschen, oder gar das ganze Handy einfach verschwinden zu lassen. Weg- einfach weg…

Dinge lösen sich manchmal in Luft auf. Die Zigeuner waren es.

Meine Mutter riet ab, und im Nachhinein muss ich sagen: ein weiser Rat.

 

Was ist also zu tun, wenn der Gedanke so übermächtig wird, mich manipuliert und mich Sachen machen oder sagen lässt, die nicht geplant waren?

Aufstehen, Krönchen richten und weitermachen.

Und vielleicht irgendwann den Job wechseln oder einfach öfter anrufen.

 

Ihr Fräulein Lindemann

 

 

Bye bye…

Rund und fettgefressen verbringt man die Tage zwischen den Jahren doch am liebsten mit der Frage, was hat das alte Jahr gebracht, und wie werde ich die Dinge, die kamen, in meinem Fall mehrere Kilos, wieder los.

Erst einmal möchte ich mich beklagen, denn 2016 hat mir die Wegbegleiter meines Erwachsen Werdens genommen: David, Prince und George. DIE Männer meiner Jungend.

Ehrlich, Bowie habe ich tatsächlich live auf einem Festival in Posemuckel bei Schüttdorf gesehen. Ich kann mir noch immer nicht erklären welches Druckmittel die Veranstalter hatten, um Ihn tatsächlich dort 3 Songs singen zu lassen, und das ohne sichtbare Fußfessel oder auf den Kopf gerichtete Baseballschläger.

Mr. Bowie, auf der Bühne stehend, in seinem cremefarbenen Hemd und seinen cremefarbenen Hosen, mit weißen Stiefeletten und mit seinem weißen Mantel, sah aus wie nicht von dieser Welt,… und ich könnte schwören, er hat mir einmal ganz schnell zugezwinkert.

Ich liebe seine Songs noch immer, habe erst kürzlich eine Vinyl-Platte bekommen. Ich muss mir immer sein Klingelschild in den 80ern an seiner Berliner Wohnungstür vorstellen, als er mit seinem Kumpel Iggy zusammen wohnte: Popp/ Bowie oder doch Bowie/Popp? … und muss echt lachen bei dem Gedanken.

Irgendwie ist das aber leider etwas, wo nur der Mann und ich uns einig über diese besondere Komik sind.

Zu Prince habe ich das erste Mal im Leben auf einer Bar getanzt, das war in Shanghai nach einigen Cocktails (immerhin habe ich es selbstständig rauf und wieder runter geschafft) und Prince hieß schon lange nicht mehr Prince, sondern „ The simple“ oder „TAFKAP“, irgendwann konnte ich der Metamorphose seines Namens auch nicht mehr folgen.

George ist der Inbegriff von Coolness, gepaart mit einem tollen Aussehen und der Begabung mit der Zeit zu gehen, sich neu zu erfinden und sich dennoch treu zu bleiben…und dann diese Stimme. Ich war lange traurig, als auch für mich klar war, ich gehöre nicht seiner Zielgruppe an. Gerne hätte ich auch im Video „freedom“ mitgespielt, 6 ½ wunderschöne Minuten, … aber ich war wohl zu jung…

Jetzt sind sie nicht mehr da, keine Skandale, keine neuen Songs mehr, nur noch Rückblicke.

Und was ist in 2016 dazu gekommen?

2,7 kg mehr von Frl. Lindemann.

Der Mann findet es gut, je mehr von mir, desto besser. Aber was soll er auch sagen? Der Arme bekommt das morgendliche Theater auf der Waage live und in Farbe mit, auch, dass der Tag nach dem Wiegen ein klein wenig mieser ist als vorher.

Das Problem ist, je mehr ich über das Kilo-Verlieren nachdenke, desto hungriger und durstiger werde ich. Das Belohnungsprinzip, früher nur am Wochenende und zu außerordentlichen Gelegenheiten greifend, ist Tagesbusiness geworden. Hier ein Glas Wein ( oder 3), da etwas Schoki, hier noch ein paar Kekse, denn einer ist ja bekanntlich keiner. Und wenn es mit dem Süßen schwierig wird, geht immer auch etwas Herzhaftes: Käse und Salami am Stück sind super!

In 5 Wochen geht es zum Skifahren in den Schnee. Somit würden ein paar Kilo weniger und etwas mehr Sportlichkeit im Vorfeld sicher gut tun. Seit 4 Wochen laufen der Mann und ich nun 1x in der Woche genau 1x ums Maisfeld, das dauert ca. 17 Minuten. Die schaffe ich mittlerweile am Stück, aber nur, wenn der Mann auf mich einredet, und ich nichts sprechen muss.

Ich bin leider nicht sportlich. Beim Skifahren sehe ich selbstverständlich sportlich aus, chice Jacke, enge Jetski-Hose und, und, und,… aber ich bin ein Blender.

Vor 3 Jahren bin ich das letzte Mal gefahren und das erste Mal, ich gestehe es, mit Helm. Der hat mich jedoch schon in der Gondel vor einem Schädelhirntrauma bewahrt, als ich nämlich schwungvoll aufstand, meine eigene Körpergröße jäh unterschätzte und mit „Voll -Schmackes“ an die Gondeldecke krachte: der Kopf blieb heil, es lebe der Helm und das Hirn!

Etwas Angst habe ich jetzt schon, 17 Minuten Maisfeldkondition werden mich nicht über den Tag im Schnee retten. Das wird schlimmen Muskelkater geben, und Sie ahnen es schon, sicher auch einige Tränchen. Aber der Mann ist vorbereitet, und er ist tapfer.

Im letzten Urlaub hatte ich sogar Muskelkater in den Handgelenken, und das nur vom Stöcke Halten. Sie verstehen also meine Bedenken?

Noch 2 Tage bis ins neue Jahr und 34 Tage bis zum Skifahren. Zeit, 2016 zu überdenken, mich auf 2017 vorzubereiten, ein Vorhängeschloss für den Kühlschrank zu kaufen und mich aufs neue Jahr zu freuen und viele gute Vorsätze zu fassen, vielleicht klappt es ja auch bald mit der 2. Maisfeldrunde.

Ihnen einen rasanten Rutsch!

Ihr Fräulein Lindemann

 

Wo ist nur die Besinnung hin?

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit fängt es schon mit guten Vorsätzen für die kommende Weihnachtszeit an.

Ja, nächstes Jahr muss ich die Adventszeit viel mehr genießen, Geschenke vorher kaufen, öfter auf den überfüllten Weihnachtsmarkt gehen ( aber schön aufpassen, dass man nicht beklaut wird), und Freunde zum Adventstee (Synonym für alles mit Alkohol) einladen und Waffeln backen.

Das Waffeleisen liegt schon seit einigen Jahren im Keller bereit, von Zeit zu Zeit wird es auch mal entstaubt oder umgeräumt. Meine Mutter wollte mir kürzlich ihres andrehen, vermutlich hat sie auch eingesehen und für sich beschlossen, dass es bei ihr mit dem vorweihnachtlichen Waffelbacken nichts wird. Wann fängt dieses Gefühl der Besinnlichkeit bloß endlich an, wann lässt der Stress endlich nach?

Früher dachte ich immer, sobald ich „last Christmas“ höre, ist das wie ein „Anschalter“. Seltsam hat es sich angefühlt, als ich vor einigen Jahren im November in Vietnam im Straßencafé saß, in kurzen Hosen und 26° Außentemperatur und plötzlich George Michael trällerte. „ …I give it to someone special…“

Dieses Jahr ist meine erste „last Christmas“- Begegnung auch ein wenig getrübt- miese Cover Version im Supermarkt. Unser regionaler Radiosender hat sich dieses Jahr geweigert diesen Song zu spielen.

Ist diese fehlende Stimmung nun also meine Schuld? Eigentlich bin ich doch eher ein Opfer widriger Umstände.

Kein Lied- keine Stimmung … und ich kann nichts dafür!

Ich habe das Gefühl, dass es anstatt besser zu werden, zumindest ein kleines bisschen, von Jahr zu Jahr doofer wird.

Dieses Jahr sind wir sogar mit einer extra Woche in der Adventszeit beschenkt worden, wieso also gab es keinen Abend an dem ich mich mit einer Weihnachts- DVD, selbst gebackenen Keksen (selbstverständlich nicht von mir gebacken- zum Wohle aller) auf die Couch gefläzt habe, der Mann an mich gekuschelt und der Adventskranz vor sich hin flackernd.

Ich gehe da lieber in die Stadt, suche auf den letzten Drücker noch kleine Präsente aus und stehe kurz davor einen Wutanfall zu bekommen und die Milliarden von Menschen, die die gleiche dämliche Idee hatten wie ich, mir nun den Weg versperren und sich zu hunderten vor mir an der Kasse tummeln, zu treten, an zu rempeln oder zu verkloppen.

Es gab mal einen Film mit Michael Douglas, „Falling down“, irgendwie kann ich ihn jetzt ganz gut verstehen.

In 9 Tagen ist nun Sylvester, da kann ich mir ja für das nächste Jahr wieder ganz fest vornehmen alles anders und natürlich viel besser zu machen.

Oder ich sollte noch schnell auf meinen Wunschzettel die kleine Damen- Kalaschnikow für die Handtasche setzen, dann bin ich für nächstes Jahr bereit…. oder halt doch endlich mit dem Yoga beginnen.

In diesem Sinne allen ein schönes Fest!

 

Fräulein Lindemann

 

Eine Mogelpackung.

Was ist eigentlich eine Mogelpackung?

Sind wir Frauen Mogelpackungen; wird nicht immer und überall gemogelt? Ist mogeln nicht einfach nur ein schönere Wort für bescheißen?

Wer ist heute noch echt, authentisch?

Haare färben, Make-up und Primer, Bauch-weg und Po-hoch Schlüpper, hohe Schuhe, Alles wird getunt und aufgemotzt.

Lebensläufe werden frisiert, in Doktorarbeiten wird geklaut und der Fake -Markt für LV- und Gucci -Taschen boomt auch. Mehr Schein als Sein, wohin das Auge reicht.

 

Neulich schlenderte ich mit dem Mann durch den Duty Free- Shop am Flughafen, da sehe ich in der Chanel Abteilung die Werbung des neuen Chanel No 5 Duftes und blieb eine Sekunde zu lange stehen. No 5, ein Duft für ältere Damen, mit Hilfe einer 15-Jährigen als Werbeträger einer neuen Zielgruppe eröffnet. Ein kleines, dürres Promikind darf die Werbung für DAS größte französische Brand machen. Sicherlich nicht, weil sie unglaublich talentiert ist, oder Idealmaße hat. Oder sind neuerdings 1,59m und 35 kg Idealmaße? Vielleicht für Zwerge, oder Kinder unter 12, aber wollen wir Frauen wirklich, dass ein Kind für unsere Luxusgüter wirbt, und was lässt es für Rückschlüsse auf uns zu? Zurück zum Stehenbeleiben. 2-3, oder ehrlicher Weise 4 Sekunden später wurde ich von der aufmerksamen Beraterin als „Opfer“ bzw. als potentielle Kundin identifiziert.

 

Die Parfümeriefachverkäuferin klärte uns auf. Nein! Das hat nichts mit dem Altdamenduft zu tun, den man immer mit No. 5 verbindet.

Oh ja, und wie ich ihn mit älteren Damen verbinde, mag auch am immer noch gleichen Namen und des identischen Flakons liegen. Speziell verbinde ich ihn mit meiner Omi, auf deren Frisiertisch im Schlafzimmer neben einer Flasche Tosca und 4711 auch ein winziges Fläschchen von genau diesem Chanel No. 5 stand.

 

Der Mann und ich mussten nun also den Duft riechen, der zwar noch genauso heißt, aber wie schon erwähnt, selbstverständlich ganz anders ist. Man hielt uns einen eingesprühten Papierstreifen unter die Nasen.

Düfte haben eine sonderbare Angewohnheit auf meiner Haut, sie transformieren sich, und nicht nur einmal. Suche ich also nach einem neuen Parfüm, bedeutet das, ich muss dem Duft mindestens 30 Minuten Zeit geben, seine finale Fassung zu erlangen. Dieser Duft hingegen roch noch genauso wie ich ihn in Erinnerung hatte, nichts hatte sich geändert, und ich bin noch Lichtjahre entfernt davon, das richtige Alter hierfür zu haben.

Die Dame ließ sich durch mein Naserümpfen nicht beirren und erklärte uns, wir müssten dem Duft nur genug Zeit geben sich zu entwickeln. Was ist wohl die genaue Definition von „genug Zeit“?

Wir gaben genau 5 Minuten, dann kam die Transformation- ja, er hatte noch etwas mit meiner Erinnerung gemeinsam, aber er war tatsächlich toll.

Der Mann hatte die Spendierhosen an und schenkte ihn mir. Mein erster Erwachsenenduft.

Ich hatte kurz einen hellen Moment und schlug die 20 Liter Flasche aus, und wir entschieden uns für die kleinere 50 ml Version.

Wir saßen 45 Minuten später auf unseren Plätzen im Flugzeug, ich roch an meinem Handgelenk und… der Altfrauenduft war zurück!

Unglaublich.

Was für ein mieser Trick: einen Duft zu kreieren, der kurz antäuscht toll und neu zu riechen, und sobald man ihn bezahlt hat, schwenkt er wieder um.

Ist es zu fassen?

Eine weitere Mogelpackung, nett designt mit großem Werbeetat.

 

Wohin führt uns das und was ist noch verlässlich?

Morgen werde ich mal ungeschminkt in meiner Gemütlichkeitshose den Tag mit dem Mann verbringen, damit er wieder weiß wie echt ich bin.

 

Vielleicht koche ich auch falschen Hasen.

 

Bis nächste Woche,

 

Fräulein Lindemann

 

Das 3. Rad

Kennen Sie das noch? Aus Ihrer Jugend meine ich? Und natürlich nur, wenn Sie weiblichen Geschlechtes sind, oder Schwestern haben. Drei Mädchen sind genau ein Mädchen zu viel. Jungs kennen das nicht! Einer mehr zum Spielen? Umso besser!

Bei uns Mädchen hingegen verhielt sich das immer etwas anders, da ging es immer um Ranglisten. Um an dieser Stelle schnell etwas zu klären: Ja, ich weiß, es heißt 5. Rad- jedenfalls wenn man von Autos spricht. Ich jedoch nehme das Beispiel Motorroller, und soweit mir bekannt ist, hat Piaggio niemals eine Verspa mit 3 Rädern entwickelt, zumindest nicht in den 80ern, und da dies hier meine Geschichte ist, stehen mir alle Freiheiten zu.

Zurück zu der Rangliste. Wir Ladys hatten als Kinder, und später auch als Teenager, immer diese eine, diese allerbeste Freundin. Die ging es zu verteidigen, die wusste alle Geheimnisse, mit der konnte man Pferde stehlen oder auch Süßigkeiten.

Ja, sicherlich, dann und wann wechselte der Status „beste Freundin“ auch gerne mal in „die dümmste Kuh“ oder „meine Erzfeindin“. Alles sehr emotionsgeladen und strikt, kein Raum für Toleranz und kein Entschuldigen von Fehlverhalten. So waren wir, erst mit kindlichem Gerechtigkeitssinn, was meins ist, wird nicht geteilt, es sei denn, ICH möchte teilen. Später dann, als Teenager, waren wir hormongeladen und selbstverständlich von allen ungerecht behandelt, und von niemand verstandenen, außer, Sie ahnen es schon, von unserer besten Freundin. Es gab kaum Grauzone – nur viel Schwarzweiß. Und unsere Freundschaften waren uns das wichtigste der Welt. Wenn wir uns auch miteinnader verglichen, standen wir doch nie in Konkurrenz, sondern hatten die loyalste Unterstützerin an unsere Seite, die es zumindestens in diesem Moment, auf dieser Erde gab.

Meine erste beste Freundin war Johanna Birkemeyer. Meine Familie und ich zogen um in die Stadt. Ein paar Tage später trafen Johanna und ich uns zum ersten Mal auf dem Spielplatz hinterm Haus und schaukelten zusammen. Der Beginn unserer wundervollen Freundschaft.

Es war praktisch, denn Johannas Zuhause war genau gegenüber von unserem Haus. Wir spielten mit Barbies und malten und machten all das, was 7- jährige Mädchen so machten. Gelegentlich erwähnte Johanna den Namen „Viola“, der mich immer an eine Geige erinnerte und den ich wirklich recht seltsam fand, nicht aber weiter beunruhigend. Beunruhigend wurdet es dann aber doch, denn eines Tages stand Viola in Person vor Johannas Kinderzimmertür. Sie hatte die großen Ferien bei Ihrer Oma verbracht, und sie war im Krankenhaus, da ihre Mutter entschied, Violas Dumbo-Ohren chrirgisch anlegen zu lassen.

Vorbei mit meiner naiven Vorstellung Johanna und ich blieben zusammen, und zu zweit, bis in alle Ewigkeit, oder was auch immer ich dachte wie lange „ganz lange“ und „für immer“ bedeutete. Ich lernte zumindest zügig was es bedeutete zickig zu sein, denn das konnte Viola trotz, oder gerade wegen ihrer neu angelegten Ohren hervorragend, denn ganz sicher wollte sie den Platz der Nummer eins bei Johanna nicht einfach kampflos aufgeben- und schon gar nicht an eine Dorfkröte wie mich verlieren. Wir kämpften ein paar Jahre, haben gestritten und uns wiedervertragen und irgendwann entfernten wir drei uns, da wir auf unterschiedliche Schulen gingen. Johanna wohnte natürlich noch immer gegenüber, aber aus dem Dorfmädchen wurde ein rebellischer Teenager, Viola wurde schwanger und aus Johanna wurde eine „Ökobraut“ mit „Ich esse keine Tiere“-Aufkleber auf der Schultasche, und irgedwie fing sie auch an komisch zu riechen.

Heute gibt es Roller mit drei Rädern, das ist ganz normal, man hat mehr Balance, man kippt weniger um und man wird gehalten…

Bis nächsten Donnerstag,

Fräulein Lindemann

 

Alles auf Anfang…

…. Fräulein Lindemann hat beschlossen, sich mit der multimedialen Welt auseinanderzusetzen und möchte ganz cool einen Blog beginnen.

Zwei Fehler in einem Satz: Fräulein Lindemann, das bin ich, ist nicht cool. Zu mindestens findet sie das nicht sonderlich, insbesondere auch nicht erstrebenswert, und zweitens, habe ich, Frl. Lindemann, mich nicht mit der, nennen wir sie mal, „der neuen Welt“ auseinander gesetzt. Jedenfalls nicht so richtig.

Geboren in den 70ern- am Ende der 70er selbstverständlich- gehöre ich zu der Generation, die sich mit Facebook, Twitter & Co erst einmal auseinander setzen musste. Nicht nur auseinandersetzen, auch lernen, alles zu bedienen und dem ganzen zu vertrauen. Auch meinem zu diesem Zwecke reanimierten Mac Book. So alt wie lahm und nicht mehr im Herstellungsmodus bei Apple. Erschwerend kommt hinzu, dass ich wenig „Windows begabt“, aber noch weniger „Apple begabt“ bin. Und ich neige zu vergessen, insbesondere Tastenkombinationen…

Aber zurück zum Vertrauen. Ich vertraue gern, nur nicht unbedingt in Technik und Elektronische Geräte. Somit ist es um so schwerer mit diesem schwarzen Loch von Möglichkeiten, erst recht, wenn man nicht mit Study- und Schüler VZ großgeworden ist, Freundschaft zu schließen.

Ehrlich gesagt, habe ich die Gründer von Study VZ vor vielen Jahren in Berlin kennen gelernt; keine Räumlichkeiten, keine Kohle, keine Mitarbeiter – jedoch jede Menge Ideen und Träume! Mehr als ich, ich konnte nur Staunen über so viele Visionen und viel Erfolg wünschen, und damit hatte es sich jedoch auch schon.

Bin ich alt?

Nein!

Schaue ich in den Spiegel, sehe ich eine Mittzwanzigerin gefangen in einem Körper einer….Egal.

Wir Frauen reden nicht übers Alter. Außer bei Rotwein, Käse und Champagner spielt es eh keine Rolle. Ach so, doch: Autos! Speziell die wunderschönen mit nur zwei Sitzen, produziert in Stuttgart und als Targa und gerne auch älter als ich, oder Vintage Taschen…

Ich erinnere mich an die erste Email meiner Freundin Emma. Da stand in der Betreffzeile mit empörtem Unterton „ hier ist gar kein Platz, ich kann gar nicht richtig schreiben“. Das war die dritte von 10 Emails innerhalb weniger Minuten, und ich konnte Emmas Text jeweils nur in der Betreffzeile lesen.

Gut, niemand hatte ihr erklärt wie man Emails schreibt.

Heute ein Unding. Selbst meine Mutter googelt , schreibt SMS und benutzt kleine Kackhaufen –Emoties, um ihre Aussagen oder Meinungen auf „What´s app“ genauer zu umschreiben.

Das Annehmen eines Gespräches auf Ihrem neuen IPhone hat uns viele Telefonate auf ihrem Zweittelefon gekostet, und kurze, aber notwendige, Phasen der Meditation, (ich war kurz davor komplett auszuflippen und enterbt zu werden) aber letztendlich weiß sie nun wie es geht.

Heute am Donnerstag, dem kleinen Freitag, und an allen zukünftigen Donnerstagen, Ausnahmen bestätigen aber bekanntlich die Regel, werde ich hier schreiben.

Warum? Weil ich es kann…und weil ich schon immer eine eigene Kolumne haben wollte. Da DIE ZEIT schon mit Herrn Martenstein versorgt ist, und COSMOPOLITAN und BRIGITTE ebenfalls vergeben sind, ist hier also meine ganz persönliche Plattform!

 

Ich freue mich auf die nächste Zeit, auf Feedback und auf Leser.

 

Bis nächste Woche,

 

Fräulein Lindemann