Was bedeutet eigentlich Heimat, und was ist der Unterschied zum Zuhause?
Heimat, das klingt so altmodisch und erinnert mich an 50er Jahre Filme, irgendwo im Schwarzwald, am Tegernsee oder in den Bergen. Heimat, damit verbinde ich auch die Ponys vom Immenhof, mit viel Landschaft und einer heilen Welt.
Leben wir noch in einer heilen Welt? „Raketen werden kommen…“, das ist der Satz den der US Präsident gestern Vormittag in die Welt twitterte.
Das hier, weitere Provokationen Richtung Russland, und die Antwort des russischen Präsidenten, lässt eher vermuten, dass wir, die Generation unserer Eltern übersprungen, die nächste Generation sind, die auf einen Krieg zu steuern, so wie unsere Groß- und Urgroßeltern.
An dieser Stelle müssen wir über den Tonfall und die Tatsache, dass Kriegserklärungen im Alleingang, also ohne Außenminister, Verteidigungsminister und Bündnispartnern, und noch dazu öffentlich in sozialen Medien kundgetan, gar nicht sprechen.
Unglaublich.
Ich schaue aus dem Fenster raus und sehe das frisch gepflügte Maisfeld, den blühenden Kirschbaum, und sämtliche Sträucher zeigen ebenfalls ihre ersten Knospen. (… und der Mann niest ständig… )
Sieht so die Welt aus, bevor es richtig kracht? Und heißt das, dass dieses doch sehr altmodische Wort „Heimat“ bald nicht mehr existiert ist?
Nein, auf keinen Fall.
Heimat ist vielleicht heute wichtiger als jemals zuvor. Auch, sich ganz klar bewusst zu machen, was es für jeden einzelnen bedeutet.
Meine Heimat ist die Region, in der ich aufwuchs. Eine flache, platte Landschaft, mit Spargel- und Erdbeerfeldern, mit Wald und Wiesen, und mit wunderschönen, gelben Rapsfeldern.
Wenn ich heute ein Rapsfeld sehe, geht mir das Herz auf, und es wird mir warm und wohlig, und vor lauter Emotionen, könnte ich beim Anblick eines Rapsfeldes direkt losheulen. (Mache ich aber jetzt nicht, keine Sorge.)
Aber genau das ist wohl ein Heimatgefühl, doch wo ist der Unterschied zwischen Heimat und Zuhause?
Bedeuten sie das gleiche?
Wo überschneiden sie sich?
Es gab eine Zeit vor vielen Jahren, in der ich das Gefühl von „Zuhause“ verloren hatte. Alles war durcheinander und das, was für mich Zuhause war, gab es mit einem Schlag nicht mehr.
Mein Vater starb, und ich war plötzlich ohne Basis.
Ich hatte große Schwierigkeiten dieses Verlustgefühl und die Trauer um meinen Vater einerseits, und andrerseits auch um mein Zuhause, in dem ich groß wurde, und das nun nicht mehr existent war, zu verarbeiten.
Ich fühlte mich wie in einem Schwebezustand, nirgends zugehörig und völlig allein.
Ein, zwei Gespräche mit einem klugen Kopf, und die Frage, was eigentlich Zuhause für mich bedeutete, brachten mich zurück in die Spur.
Letztendlich war es die Erkenntnis, dass mein Zuhause da ist, wo ich lebe, wo meine Sachen sind, mein Sofa, mein Bett, meine Schuhe und Handtaschen, meine Fotos. Der Ort an den ich mich zurück ziehe, wenn es schwierig wird, wohin ich gehe, wenn ich Ruhe brauche, oder Trost.
Zuhause ist da, wo der Mann auf mich wartet, und wo wir geborgen und sicher leben.
Mein Zuhause kann wechseln, wir können umziehen, aber dann bleibt es doch unser Zuhause.
Ich wünsche mir, dass weder meine Heimat, noch mein Zuhause jemals in Gefahr sind, nur, weil ein alter, dummer, selbstgefälliger Mann vergessen hat, welche Verantwortung er für uns alle und für die nächsten Generationen hat.
Ihr Fräulein Lindemann