Summer in the City.

Dieses Jahr sind wir direkt von einer abgeschwächten Version des Winters, mit Highspeed und Getöse, in den Sommer gerutscht.
Anders kann man die derzeit herrschenden 30°C im Mai wohl nicht beschreiben.
Es ist purer Sommer.

Allerdings schwingt auch in jeder Sonnenminute die Angst mit, es könne ganz schnell vorbei sein mit der Vitamin-D-Zufuhr, und diese schnellstens abgelöst werden könnte von Unwettern, Regen und des rapiden Absinkens der Temperatur auf unsommerliche, im Zehnerbereich befindliche Bereiche.

Das ist wohl typisch für uns. Wir genießen nicht den Moment, sondern verfallen schon in schlechte Laune und Panik, nur wegen der hypothetischen Möglichkeit unserer Wetterzukunft könne anders als die Gegenwart ausfallen, obwohl die noch in den Sternen steht.

Der überraschend gekommene Sommer bringt nicht immer die besten Dinge zum Vorschein.
Anfang der Woche in Berlin landend, bekam ich erst einmal den Missmut eines offensichtlich schon länger in der Sonne wartenden Taxifahrers ab. Jetzt kann man sagen, es kommt oft vor, dass Berliner Taxifahrer mürrisch sind, und dieses Verhalten nicht unbedingt in Abhängigkeit zu der Außentemperatur steht, aber es gibt immer noch eine Steigerungsmöglichkeit.

Ja wohl.

Ich hatte wenig Zeit, nach dem ich irgendwann in meinem Hotel angekommen war und mich erst einmal etwas in meinem Zimmer abkühlen musste, somit machte ich mich schnell auf den Weg zu meiner Verabredung, genoss dann die Sonne, einen wunderschönen Hinterhofgarten und einen Melonenshake und kam auf die absonderliche Idee meinen Weg zurück zu Fuß anzutreten. Google sagte mir, das seien zu Fuß 3,9 km.
Allerdings wusste Google nicht, dass 3,9 km sehr lang sein können bei 33° C und stehender Luft.

Der Sommer in Berlin ist großartig, alles ist entschleunigt, alles verläuft in Zeitlupe.

Die Cafés sind gefüllt mit Menschen, die ihre Zeitungen lesen, ihre Kaltgetränke einnehmen, chillen oder telefonieren. Alles ohne Hektik.

Die hohen Gebäude strahlen am Abend noch die Hitze des Tages ab, die Welt spielt sich überall auf den Straßen ab, die Sommermode ist abenteuerlich und hat ihren eigenen Charme, hinzukommt, dass nicht alle nicht mit Stoff bedeckten Körperteile, ideal auf ihre sommerlichen Präsenzen vorbereitet sind.

Der Sommer ist berauschend, alles wächst farbenprächtig und das Grün ist noch wirklich grün. In wenigen Wochen wird es gelblich, an Stellen ausgedörrt und seine volle Leuchtkraft verloren haben.
Der Sommer riecht phantastisch, es ist Zeit für eisgekühlten Rosé und die Cocktails schmecken fruchtiger. Berlin hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt, gab allerdings nichts auf den Abschied.

Am Flughafen, mit 50 anderen Gästen zusammen in einen Bus gepfercht, mussten wir feststellen, wie warm es doch bei bestimmten Außentemperaturen in einem Bus werden kann.
Schweißperlen entwickelten sich auf meiner Oberlippe und auf meinem Rücken mit Abwärtstendenzen. Ein leicht säuerlicher, strenger Geruch machte sich im Bus breit. Und der Wunsch nach Menschen, die ihren Arm nicht hoben um sich an den dafür vor gesehenen Haltegriffen fest zu halten, wurde immer größer.

Wir standen gefühlte Stunden in der prallen Sonne- und der Motor lief nicht.

So muss sich ein Schwein im Viehtransporter auf der Autobahn im Stau fühlen. Grauenvoll.
Ich wünschte mir sehnlichst das Sitzen im klimatisierten Flieger herbei, den Wunsch laut auszusprechen war nicht mehr möglich, mein Mund fühlte sich an wie die Wüste Gobi.

Irgendwann saß ich tatsächlich im Flieger, bei der Landung regnetet es ein wenig, und ich konnte mich nicht entscheiden, ob es mich freuen sollte oder ich schon wieder mit Wehmut an die Hitze dachte.

Wir sind halt nie zufrieden…

Ihr Fräulein Lindemann.

 

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